Autor: Stephan Bauman, Wendy Wellman, and Megan Laughlin
Datum: 20.07.2010
Category: Armut & Reichtum
Anmerkung der Redaktion: Dieser Vorabbericht zu Kapstadt 2010 ist eine Übersicht zum Thema “Reichtum, Armut und Macht: Die effektive Antwort der globalen und lokalen Gemeinden” von Stephan Bauman, Wendy Wellman und Megan Laughlin. Stellungnahmen zu diesem Bericht durch die Lausanner globalen Gespräche werden an die Autoren und andere Personen weitergeleitet und sollen dabei helfen, die endgültige Präsentation festzulegen. (1)
Übersicht
Dieser Bericht untersucht biblische Prinzipien über Reichtum, Armut und Macht im Hinblick auf das ökonomische Entwicklungsprogramm Sparen für das Leben im Gebiet der Grossen Seen in Afrika, das von der World Relief–Organisation ins Leben gerufen wurde. Gesunde Prinzipien und erwiesene Praktiken sind heute wichtiger als je zuvor, wenn die globale Gemeinde eine Antwort auf den Ruf Christi sucht, „eine Hoffnung und eine Zukunft“ für die Armen und Unterdrückten zu sein, besonders für die Frauen in den Entwicklungsländern: Herausfordernde traditionelle Sichtweisen über Reichtum, Armut und Macht, gemeinschaftliche Spar- und Kleinstkreditgruppen, die ihre eigenen finanziellen Ressourcen mobilisieren, einander helfen, wo Not herrscht und sich bemühen, ihr Gemeinwesen zu verändern. Das Ergebnis ist, dass normale afrikanische Frauen Frieden und Hoffnung in einigen der ärmsten Länder der Welt fördern. Ein biblisches Verständnis des Reichtums in all seinen Facetten – angefangen von göttlich gegebenen Gaben, geistlichem und gesellschaftlichem Kapital bis hin zur Kreativität – ist notwendig, das ganze Potential der materiell Armen freizusetzen und sie als Beauftragte einzubinden, ihre neue Zukunft unter Gott zu kreieren. Diese breitere Definition des Reichtums, die über die allgemeine Definition des wirtschaftlichen Wohlstands hinausgeht, wird untersucht, und erreicht den Höhepunkt mit den drei Arten des Reichtums, veranschaulicht durch afrikanische Frauen, die sich in der Bewegung des Spar- und Kreditgeschäfts engagieren.
Einleitung
Er ist der,
der sein Essen in Händen kocht, die Töpfe sind.
Tausende Menschen haben gegessen,
doch die Reste haben zwölf Körbe gefüllt.
Wenn wir all das verlassen und weggehen,
wenn wir Seine größtes Geschenk verlassen,
wohin sollen wir dann gehen? (2)—Afua Kuima
Am Ende ist es nur Gott, der gibt. Wir alle brauchen etwas, und wir alle verlassen uns auf „Sein großes Geschenk“. Aber wir leben in einer Welt, in der Seine Geschenke nicht gleichmäßig verteilt sind. Unser globales Dorf schrumpft: Dekadenz und Entbehrung waren noch nie so vertraut miteinander. Diejenigen, die haben, vermischen sich mit denen, die nichts haben. Kaufen Sie sich eine Flasche Trinkwasser und werden Sie sich bewusst, dass es über eine Milliarde Menschen gibt, die keines haben. Nennen Sie Ihren „guten“ Grund und buchen Sie ein Flugticket. Spüren Sie diesen kleinen Beigeschmack von Schuld, wenn Sie mehr für eine Tasse Kaffee ausgeben, als drei Milliarden Menschen pro Tag haben, um damit zu überleben. (3) Kaufen Sie etwas „Rotes” (4) und werden Sie sich bewusst, dass heute ungefähr 8,000 Menschen an Aids sterben. Schalten Sie das Radio ein und machen Sie sich klar, dass alle drei Sekunden ein Kind in der Welt an Hunger stirbt oder an damit verbunden Krankheiten (5). Schauen Sie sich eine Katastrophe live am Fernsehen an.
Es ist die Aufgabe der globalen Gemeinden, “…die Öffentlichkeit auf die Hoffnungen und Wünsche aufmerksam zu machen, die so lange vorenthalten und so tief unterdrückt wurden...” (6)Der Ruf aus den Randgebieten war noch nie so deutlich vernehmbar, die Antwort der Gemeinde noch nie so wichtig. Wir müssen uns um „Seine großen Gaben“ für alle kümmern, besonders für die an der Peripherie
Tatsächlich hat sich in vielen Gemeinden ein Mitgefühl ausgebreitet, ob für Armut, HIV und AIDS, Menschenhandel oder Katastrophen. In großen Teilen der Welt stellen Gemeinden Programme zusammen, um den Notleidenden zu helfen - viele wurden von der globalen Gemeinde dazu aufgerufen, viele tun es aus eigener Initiative. Aus der westlichen Welt reisen Zehntausende nach Afrika, Asien, Lateinamerika und seit dem Erdbeben selbst nach Haiti.
Inzwischen dringen aus diesen Randgebieten deutliche Zeichen der Verbesserung, wie Bewegungen, welche die Armut überwinden und Frauen in der ganzen Welt mehr Macht geben. (7) Heute gibt es über 100 Million Frauen(8), die in Kleinstfinanzierungsgruppen beteiligt sind und einen Kleinstkredit im Gegenwert von $50 bis$75 erhalten, um ein eigenes Geschäft anzufangen oder es weiterzuführen. Millionen von Frauen in Asien, Lateinamerika und Afrika arbeiten in kommunalen Gruppen zusammen und sparen kleine Beträge, manchmal nur einen Dollar oder weniger pro Woche oder zwei Mal im Monat. Dazu gehören Frauen in den ärmsten und unterdrücktesten Gegenden der Welt. Eine Revolution ist im Gange, eine prophetische Bewegung für Frauen von Frauen.
Diese beiden Strömungen: Die beispiellose Fürsorge und großzügige Hilfe des Westens, verbunden mit neuen, vielversprechenden Bewegungen in der südlichen Hemisphäre, sind Grund zum Feiern, aber auch zur Zurückhaltung. Noch nie war die Erfordernis nach grundsätzlichen Gedanken und gründlicher Betrachtung größer. Dieser Bericht beleuchtet biblische Prinzipien betreffend Reichtum, Armut und Macht, und überträgt sie auf die Spargruppen-Bewegung in drei afrikanischen Kontexten. Die Idee des Reichtums als göttlich gegebenes Geschenk – hinausgehend über die normale Definition des wirtschaftlichen Wohlergehens – wird untersucht, kulminierend mit den drei Arten des Reichtums, veranschaulicht durch afrikanische Frauen, die Teil der Spargruppen-Bewegung sind. Teil I dieses Berichts legt biblische Prinzipien des Reichtums, der Armut und der Macht dar. Teil II untersucht Einzelberichte der Spargruppen-Bewegung in drei afrikanischen Kontexten, die aufzeigen, wie reich souveräne afrikanische Frauen sind an Kreativität, Opferbereitschaft und Mitgefühl.
Teil I. Prinzipien: Reichtum, Armut und Macht
Ehrliche Fragen in Bezug auf Reichtum, Armut und Macht sind notwendig – in theologischer und praktischer Hinsicht – um die Beziehung zwischen den Wohlhabenden und den Armen zu heilen. Das hebräische Konzept des shalom, die Erlösung aller Lebensbereiche in Gottes „beabsichtigte Harmonie“, (9) ist der Gegensatz von Armut und Ungerechtigkeit. Shalom vergegenwärtigt eine Welt von gerechten und friedlichen Beziehungen mit Gott, sich selbst, anderen und der Schöpfung. Missio Dei, die Mission Gottes, verfolgt Shalom in alle Ecken des Lebens und verlangt eine Abrechnung in den Beziehungen zwischen den Wohlhabenden und den Armen. Sie beginnt mit der Liebe Gottes, wird weitergereicht mit Mitgefühl und Gerechtigkeit durch die Hände und Füße Seines Volkes und gipfelt in der Hoffnung für die Völker. Obwohl nicht vollständig, sind die folgenden Prinzipien betreffend Reichtum, Armut und Macht fundamental für alle, die Frieden und Hoffnung in eine zerbrochene Welt bringen wollen.
Alle Menschen sind reich naturgemäß dem Ebenbild, das sie darstellen, und ihrem von Gott gegebenen kreativen Potential, und alle Menschen sind arm wegen den Sündenfall. Wir alle sind das Ebenbild des Gottes des Weltalls, dem Imago Dei.
Alle Menschen sind nach dem Ebenbild Gottes erschaffen, haben denselben und ewigen Wert und besitzen wichtiges, kreatives Potential. Weil wir alle Gottes Kinder sind, sind wir reich. In unserem Zeitalter des Konsumdenkens und des Materialismus war es niemals zuvor so wichtig, die enge Definition des Menschseins zu erweitern. Wir müssen aufhören, uns in erster Linie an Nutzwert, Produktion oder Einkommen zu messen
Ziehen wir den Reichtum der Armen in Betracht. Materiell arme Menschen in der Welt demonstrieren Lebendigkeit, menschliche Stärke, Ausdauer, Einfallsreichtum, beispiellosen Glauben und überschäumende Freude – wobei ihre schlimmen Umstände und ihr „Reichtum“ oftmals korrelieren. Genauso ziehen wir die Armut der Reichen in Betracht. Beachten wir ihre Sinnsuche, das Streben nach Dekadenz, ihre Apathie. Wir wissen auch, dass unsere „Ebenbildlichkeit“ durch den Sündenfall bei Reich und Arm geschädigt ist. (10) Niemand entgeht der Zerbrochenheit und der Notwendigkeit der Erlösung. Wir alle müssen wieder richtig zusammengesetzt werden. Wir sind alle reich; wir sind alle arm.
Ohne ein volles biblisches Verständnis des Reichtums – angefangen bei göttlich gegebenen Gaben, geistlichem und gesellschaftlichem Kapital(11) bis hin zur Kreativität –ist es unmöglich, das gesamte Potential der materiell Armen freizusetzen und sie als Bevollmächtigte einzusetzen, die ihre neue Zukunft kreieren unter Gott. Man kann Armut, Ungerechtigkeit und fortgesetzte Hoffnung in unserer heutigen Welt nicht angehen, ohne dieses Prinzip zu erfassen und auszuleben, im Westen wie auch in den Ländern der südlichen Hemisphäre.
Materieller oder wirtschaftlicher Reichtum ist ein Ausdruck von Gottes Wunsch, Sein Volk zu segnen, wodurch dieses wiederum alle Menschen segnen soll. Der Segen Abrahams,(12) gesegnet zu sein um ein Segen zu sein, fasst das biblische Verständnis von Reichtum zusammen. Wir sollen „Reichtum so verwalten, dass er das Reich Gottes erweitert“.(13)Privates Eigentum ist gestattet durch die Zehn Gebote, (14) ist eine Voraussetzung für gemeinnütziges Geben (15) und ist die Basis der Gemeinde des Neuen Testaments. (16) Dennoch ist Gott der absolute Eigentümer, (17)und wir somit nur Verwalter allen Reichtums.
Materieller Reichtum kann uns auch von Gott wegführen. Die Geschichte hat gezeigt, dass unsere Fähigkeit, andere mit dem Segen zu segnen, den wir empfangen haben, durch den Sündenfall stark beeinträchtigt wurde. Jesus hat uns ernsthaft gewarnt vor den Versuchungen des Reichtums, (18)hat von „zwei Herren“ gesprochen(19) und hat uns ermahnt, Sein Reich über alles andere zu stellen. (20)Heute erkennen materiell reiche Leute, “dass Reichtum allein keinen Sinn und keine Erfüllung bringt, und sie fangen an, nach Antworten zu suchen“.(21)Obwohl Gott durch Reichtum segnet, ist großer materieller Besitz oft ein Hindernis.
Materieller Reichtum ist weder eine Verheißung noch eine Garantie für Gehorsam oder harte Arbeit. Während alle Kinder Gottes eines Tages den Reichtum im Überfluss als Segen im Himmel und einer erlösten Erde genießen können, lassen sich in diesem Zeitalter „keine Voraussagen machen, in welchem Maß Gott einem einzelnen Gläubigen Wohlstand schenken will“. (22)Mit den Worten von John Stott gesagt: “Wir müssen den Mut haben, das ‚Gesundheits- und Wohlstandsevangelium’ absolut abzulehnen. Es ist ein falsches Evangelium.“ (23)
Die Ursachen der Armut sind vielseitig und komplex. Naturkatastrophen, Kriege, Sünde, strukturelle Ungerechtigkeit, Mangel an Technologien, schlechte Politik und Regierungsführung, Korruption, Machtmissbrauch, ungerechte Boden- und Vertragsgesetzgebung, Kolonialismus, Umweltzerstörung und eine unbiblische Weltansicht – sie alle tragen zur Armut bei.(24) Die Ursachen der Armut sind auch miteinander verbunden. Technologische Fortschritte helfen, aber die begleitende Handelspolitik kann ein Hindernis sein. Zum Beispiel haben lange Jahre billiger U.S.-Importe nach Haiti die Agrikultur Haitis geschwächt, besonders den Reisanbau.(25) Die grüne Revolution stoppte den Hunger in Asien, weil sie aber Afrika nicht erreichte, führte dies zu Millionen von Toten.(26) Agrarsubventionen in den U.S.A. und Europa haben zu diesem Misserfolg beigetragen, wie auch der Mangel an Infrastrukturinvestitionen in Ländern südlich der Sahara. Zusammenfassend ist zu sagen: Wenn einer oder mehrere Gründe der Ursachen der Armut angesprochen werden, ohne die beisteuernden Faktoren zu verstehen, kann Armut noch weiter verfestigt statt verringert werden.
Armut ist grundsätzlich relational. Wir neigen dazu, Armut sehr einschränkend zu definieren, in erster Linie mit wirtschaftlichen Bezeichnungen, als materiellen Mangel. Wäre Armut lediglich eine Frage des Einkommens, hätten wir sie schon längst gelöst. In den letzten 45 Jahren haben wir beinahe $600 Milliarden Hilfsgelder in Afrika investiert. Doch, laut William Easterly, dem ehemaligen Weltbank-Ökonomen, „können wir sehr wenig dafür vorweisen – in diesen 42 Jahren blieb der Mittelwert des Pro-Kopf-Wachstums der afrikanischen Länder nahezu bei null.“ Tatsächlich ist die materielle Sichtweise ungenügend und es braucht ein tieferes Verständnis.
Aufgrund der Analysen von Robert Chambers, John Friedmann und Jayakumar Christian definiert Bryant Myers die Natur der Armut als grundsätzlich relational. „Es geht um Beziehungen, die nicht funktionieren, die isolieren, die im Stich gelassen oder abgewertet werden.“ (27)Im Wesentlichen kann man sagen: Zerbrochene Beziehungen mit Gott, anderen, der Gemeinschaft, der Umwelt und sich selbst führen zu Problemen in den geistlichen, politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und materiellen Bereichen der Gesellschaft. Die daraus resultierenden fragmentierten Beziehungen führen zu den wichtigsten Erscheinungsformen der Armut: Abhängigkeit, Erniedrigung, Ungerechtigkeit, Unterdrückung und körperliche Mangelerscheinungen. Eine fragmentierte Beziehung zu Gott führt zu geistlicher Irreführung. Eine unzureichende Weltanschauung führt im Allgemeinen zu ungerechten Ideologien, dämonischen Mächten, die zur Unterdrückung führen, und eine schwache ethische Basis führt zu Korruption. Gesellschaftliche Probleme resultieren in zerbrochenen Beziehungen und ihre Auswirkungen sind persönliche und systematische Sünde.(28) Die biblische Sicht für die Überwindung der Armut, nämlich gerechte und friedliche Beziehungen zwischen Gott, anderen, mit sich selbst und der Umwelt ist von den Geboten abgeleitet, „du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand“ und „deinen Nächsten wie dich selbst.“ (29)
Armut nimmt den Menschen ihre Würde, ihre Werte und ihre Kreativität. In den Worten einer Frau aus Moldawien: “Armut ist Schmerz; sie fühlt sich wie eine Krankheit an…sie frisst die Würde und führt in totale Verzweiflung.“ (30) Ihre Natur und ihre Auswirkungen sind komplex und die Reichweite der Gründe sind schwierig auszumachen. Afrikaner, Asiaten oder Latinos erklären Armut in gesellschaftlichen und psychologischen Begriffen und nennen dabei „Scham, Minderwertigkeit, Ohnmacht, Erniedrigung, Angst und Hoffnungslosigkeit...“ (31) In städtischen Gebieten Ugandas besuchte ein Student zwei Haushalte in den Slums. Äußerlich gesehen waren die beiden Häuser gleich. In beiden lebten Mütter um die Dreißig und beide hatten ein ähnliches Einkommen. Das erste Haus war sauber und ordentlich aufgeräumt, im zweiten war das nicht so. Die erste Mutter verströmte vorbehaltslose Gastfreundschaft und teilte das wenige Essen, das sie hatte, mit ihren Gästen. Die Zweite beklagte sich über ihre Situation und ihre Armut. (32) Bei der zweiten Frau hatte die Armut nicht nur von ihrer Situation Besitz ergriffen, sondern auch von ihrem Selbstbewusstsein.
Die volle Auswirkung der Armut über eine anhaltende Zeitperiode kann hervorrufen, was Augustine Muspole eine “Armut des Seins” nennt oder, wie Jayakumar Christian sagt, eine „geschädigte Identität“ unter den Armen. Gemäss Myers: „Ein Leben des Leidens, der Täuschung und der Ausschließung verinnerlicht sich in den Armen so, dass sie nicht mehr wissen, wer sie wirklich sind oder warum sie erschaffen wurden. Dies ist der tiefste und profundeste Ausdruck von Armut. (33)Das resultiert darin, dass viele wirklich glauben, sie seien von Gott verlassen und abgeschnitten von den Bezeugungen Seiner Liebe. Das Endergebnis der „Armut des Seins“ ist zerstörerisch, nicht nur in der Beziehung zu Gott und zu sich selbst, sondern auch in der Beziehung zu anderen, zu der Gemeinschaft und der Gesellschaft. Sie hat weitreichende Auswirkungen
Armut beeinträchtigt Frauen stärker als andere. In den meisten Regionen der heutigen Welt bedeutet eine Frau zu sein, arm zu sein. Frauen umfassen 70 Prozent der Armen, 66 Prozent derjenigen, die nicht lesen können, beinahe 80 Prozent der Flüchtlinge und 75 Prozent der Kranken. Während Frauen die Hälfte der Weltpopulation darstellen, übernehmen sie beinahe zwei Drittel der Arbeit in der Welt und erhalten nur 10 Prozent des Welteinkommens. (34)Sie stellen die Mehrheit der landwirtschaftlich Arbeitenden in der Welt dar, aber sie besitzen nur unscheinbare ein Prozent des Bodens. Frauen pflegen fast alle Kranken in der Welt, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie selbst behandelt werden, wenn sie krank sind. Die häufigste Todesursache und Ursache für Verletzungen bei Frauen weltweit sind Geburten. Frauen, die in Kriegsgebieten gefangengenommen werden, müssen mit Vergewaltigungen rechnen, einmal als Waffe des Feindes, zum anderen als Preis des Siegers. (35)Mehr als eine Million Mädchen pro Jahr fallen in die Hände von Menschenhändlern, viele von ihnen enden in sexueller Sklaverei. Und dann gibt es die Frauen, die einfach nicht mehr da sind: Die Ökonomin Amartya Sen schätzt, dass heute mehr als 100 Millionen Mädchen in der Welt vermisst werden aufgrund von jahrelangen Ermordungen wegen ihres Geschlechts, in Ländern wie China und Indien. (36)
In völligem Gegensatz zur Geschlechternorm seiner Zeit, hat sich Jesus nicht nur mit den Armen identifiziert, sondern erreichte auch die Frauen. Eine kleine Gruppe von Frauen, mit denen Er freundschaftlich verbunden war, sind mit ihm umhergereist und haben ihn finanziell unterstützt. (37)Er sprach mit einer Frau aus Samaria an einem öffentlichen Brunnen und ihr daraus resultierendes Zeugnis stellte die angrenzende Stadt auf den Kopf („... aber viele glaubten an ihn um der Rede der Frau willen...“ (38). Jesus erlaubt einer „sündigen“ Frau, ihn zu berühren und für den Tod zu salben. Er vergibt ihr und lobt sie als jemand, der „viel Liebe erwiesen hat“.(39) Und nach seiner Auferstehung hat er sich als Erstes einer Frau gezeigt, Maria Magdalena. (40)
Macht ist ein Mittel, um Gerechtigkeit zu schaffen. Eingewoben in die gesamte biblische Geschichte ist der Auftrag, Macht einzusetzen, um Gerechtigkeit für alle zu schaffen. (41) Die Idee des „Shalom“ beinhaltet eine primäre Gerechtigkeit (tsadaq im hebräischen Text), wo „Beziehungen gerecht sind”, (42) und wo „rektifizierende“ Gerechtigkeit (mishpat) aus diesen gerechten Beziehungen fließt. Macht, richtig angewandt, bringt Shalom.
Jesus “war eine andauernde Gefahr für die Zentren der Macht: Er provozierte ihren Zorn and sie erhoben sich gegen ihn“.(43) Doch er wohnte bei den Machtlosen, den Randgruppen, der armen Landbevölkerung. (44) Er aß mit ihnen. Er heilte sie, Er wurde arm und lebte unter ihnen. Die Kreuzigung Jesu war der ultimative Protest gegen das Leiden und die Unterdrückung durch die Machthabenden. (45) Mit dieser letzten Handlung stürzte Jesus die Machtstrukturen seiner Zeit ein für alle Mal um. Als Nachfolger Christi sind wir beauftragt, seine Autorität, Gottes Macht, auszuüben, um Gerechtigkeit und Shalom in eine zerbrochene Welt zu bringen.
Macht wird oft missbraucht, was zu Unterdrückung und Ungerechtigkeit führt. Die Macht ist der größte Bereich, in dem sich die Sünde entfaltet, und zwar persönlich und systemisch. Die Geschichte zeigt uns fortwährend, dass die Mächtigen die Machtlosen „vernachlässigen und schlecht behandeln“. David Bosch nannte Macht „die wirkliche Herausforderung“, und hielt fest, dass „Armut nicht ohne einen Machtwechsel überwunden werden kann“.(46) Brot für die Welt sagt: „Hungrige Menschen mangelt es an der Macht, ihren Hunger zu beenden.“ (47) Traurigerweise verstehen diejenigen, die unter der „Armut des Seins“ leiden, nicht die Kraft, die ihnen ihr Schöpfer geschenkt hat. Ihre Machtlosigkeit kann selbstverschuldet sein, wird aber leider von den Mächtigen um sie herum ausgenutzt. Eines ist sicher: Ein biblisches Verständnis von Macht und die Rücknahme von missbrauchenden Machtstrukturen ist unerlässlich, um Shalom zu bringen.
Was ist die Konsequenz dieser Prinzipien für diejenigen, die Ungerechtigkeit und Unterdrückung überwinden wollen? Erstens müssen wir das Evangelium wieder neu entdecken. Nur das Evangelium „mit seinem Zeugnis in Wort und Tat und im Alltagsleben...bezieht uns ein in die Vision einer neuen Welt, einer anderen Welt, einer Welt, in der es legitim ist zu hoffen“. (48) Das Evangelium bringt Menschen zusammen zur Anbetung, es bestätigt ihre Würde, es weckt ihre Kreativität und es verbindet sie direkt mit dem Gott der Geschichte. Es bringt grundlegende Werte hervor, um Menschen über sich selbst hinauswachsen zu lassen. Es richtet den Blick der Gemeinschaft auf die anderen. Das Evangelium ruft konkretes Handeln hervor für die Gemeinschaft innerhalb der Gemeinschaft; es ist ein innerer Ruf, einer, der fähig ist, die schlimmsten Formen der Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu überwinden. Darüber hinaus ist das Evangelium eine sich selbst erfüllende Prophezeiung – es fordert den Status quo heraus, um sich selbst gegen Apathie und egoistische Machtansprüche zu schützen.
Zweitens: In dem Maß, in dem wir die Gründe der Armut mit oberflächlichen Lösungen beheben wollen – ein Trend, der heutzutage besonders unter jenen zu finden ist, die sich neu mit dem Thema Armut befassen – riskieren wir vertieftes Leiden. Oberflächliche Lösungen stehen normalerweise dann zur Debatte, wenn Armut zu einfach definiert wird: Als materielle Entbehrungen, Mangel an Ausbildung oder als ein Missverstehen Gottes. Als eine Gruppe von Universitätsstudenten die Armut in Äthiopien, im Sudan und in Uganda untersuchte, erfuhren sie, dass ihre Gastgeber schockiert und beleidigt waren, als die Studenten sie als arm einstuften. (49) Obwohl sie die Gründe der Armut studierten, hatten die Studenten vorgefasste Meinungen darüber, was Armut ausmacht. Sie lernten rasch, dass das, was wir arm nennen, nicht das ist, was sie arm nennen. Während der Westen dazu tendiert, Armut am Einkommen festzumachen – einschließlich dem von der Weltbank ziemlich willkürlich festgesetzten Maß der absoluten Armutsnorm von $1 pro Tag – stützen sich viele andere auf Vermögenswerte wie Tiere oder Grundbesitz. Einfache Lösungen werden dem lokalen Kontext, der Sprache und der Kultur nicht gerecht. Voreilige Lösungen können dazu führen, unbewusst im Leben der materiell Armen „Gott zu spielen“, und die Gefühle der Minderwertigkeit zu verstärken.(50)
Drittens: Wir müssen die Stärken der Gemeinschaft wirksam einsetzen, anstatt uns auf Hilfe von außen zu verlassen. Allzu oft versuchen wohlmeinende Menschen in der westlichen Welt, den Armen zu helfen, indem sie ihnen Dinge geben. (51)Sie gehen von der Annahme aus, die Armen hätten nichts, keinerlei Vermögen oder Stärken, auf die sie aufbauen können. Oft möchten „gute Samariter“ „für die Armen“ (52) oder sogar “mit den Armen” arbeiten. Dies ist zwar gut gemeint, doch vielmals unterdrücken sie damit lokale Initiative. (53) Eine solche Haltung, wie auch andere ähnliche Arten der Unterstützung, können die Armut vertiefen, besonders die Arten der Armut, die entstehen, wenn sich die materiell Armen bereits minderwertig fühlen. (54) Hilfe „von den Armen selbst“ innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaften, hat das Potential, Veränderungen von innen nach außen zu bringen. Das Eigentum wird sich vermehren. Veränderungen bleiben und multiplizieren sich. Eine auf Nutzen basierende Entwicklung – eine Herangehensweise, die bei den Stärken und dem Potential der Menschen beginnt anstatt bei ihren Erfordernissen und Defiziten – fängt an, „indem man die materiell Armen fragt, wie sie ihre eigenen Gaben und Ressourcen selbst verwalten können, indem sie Einzelne und Gemeinschaften zu dem wiederherstellen, zu dem Gott sie vom Anfang der Beziehung an erschaffen hat.“ (55) Sie baut auf der biblischen Voraussetzung auf, dass Gott innerhalb jeder Gemeinschaft der Welt arbeitet und gearbeitet hat, und dass in der ganzen Schöpfung Gottes Gutes ist. Dies gilt auch für die verarmtesten Gemeinschaften. Selbst das kleinste Talent kann vermehrt werden, wenn es weise investiert wird. Rowen Williams spricht über dieses Thema:
Versuche, die regionalen Netzwerke und die örtlichen Wege der Entscheidungsfindung zu übergehen, und darüber hinaus auch noch die lokalen Begründungen für Handlungen oder Veränderungen zu umgehen, bringen ausnahmslos Abneigung und Verständnislosigkeit hervor. Was Menschen sehen, sind Vorstellungen, die nicht die ihren sind, ausgelöst von Fremden, die behaupten, sie würden das für sie tun...Wenn Entwicklungsprozesse und Programme nicht durch Abneigung und Misstrauen gelähmt werden sollen – mit dem Ergebnis, dass örtliche Gemeinschaften sich selbst nicht als Beauftragte der eigenen Veränderung sehen können – dann bleibt enormes Potential unrealisiert. (56)
Eben weil sie zu den Ärmsten und Verletzlichsten zählen, müssen Frauen die Führung übernehmen und Beauftragte der Veränderung werden, indem sie ihre eigene Armut und die in ihren örtlichen Gemeinschaften überwinden. Die Führung der Frauen ist entscheidend, um die verwurzelten Ansichten von Abhängigkeit und Macht zu überwinden. Die Reichen schenken armen Frauen keine Zukunft. Statt dessen müssen Gemeinschaften Hoffnung erleben für die Armen durch die Armen, und ihre gottgegebene Würde beanspruchen und das Versprechen der Wiederherstellung in seiner ganzen Fülle realisieren.
Teil II. Die Praxis (Anwendung, Verfahren) : Afrikanische Frauen und ihr Reichtum durch Ersparnisse
Bis heute gab es niemals eine Revolution, welche die halbe West umfasst hat: Die Welt der Frauen. Armut und Geschlecht stehen maßgeblich in Beziehung zueinander. Aber es gibt Hoffnung. Millionen von Frauen, von denen viele zu den ärmsten und unterdrücktesten zählen, fangen neue kleine Geschäfte an, senden ihre Kinder zur Schule und verändern ihre Dörfer und Städte aus eigener Initiative heraus. Der Beweis ist überwältigend: Kleine Einkommenssteigerungen der Frauen kommen dem Haushalt zugute: bessere Ausbildung für die Kinder, bessere Ernährung, mehr Besuche in der lokalen Klinik und Zuwachs bei den Haushaltsgütern. (57) Wenn die Mutter etwas verdient, lernen und essen die Kinder besser. Außerdem gibt es Länder, in denen die Ehemänner ihre Frauen mehr respektieren und sie besser behandeln, wenn sie zum Familieneinkommen beitragen. (58) Wichtig ist auch, dass viele Kunden eine tiefe Freundschaft schließen und sich auf ihre Gruppe als eine Quelle der Ermutigung verlassen und als einen Ort, an dem sie ihren Glauben austauschen können. Kunden zeigen gegenseitige Opferbereitschaft. Gruppen von Kunden schließen sich zusammen und verbessern in ihren Gemeinschaften das Leben ihrer Nachbarn.
In Untersuchungen hat man festgestellt, dass materiell arme Menschen tatsächlich Geld sparen, selbst die ärmsten unter ihnen. (59) Sie sparen, um sich auf Notfälle vorzubereiten, um gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen, z.B. bei Hochzeiten, Begräbnissen und Feierlichkeiten, um kleine Geschäfte zu gründen oder zu vergrößern oder um auf saisonale Schwankungen mit Bargeld reagieren zu können. Solche Ersparnisse reduzieren die Schadensanfälligkeit, vergrößern das Vertrauen und heben den Lebensstandard. Nicht nur können die materiell Armen von dem Geld, das sie heute verdienen, Ersparnisse zurücklegen, sondern, wenn sie diszipliniert sparen, können sie den Armutszyklus sprengen, Haushaltsschwachstellen verringern und wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten steigern. Und das Wichtigste ist: Wenn die materiell Armen sparen – besonders die Frauen – formen sie durch ihre Spargruppen neue Gemeinschaften und erreichen auf diese Weise auch ihre Nachbarschaft.
Ein solches Programm nennt sich Savings for Life (Ersparnisse fürs Leben). Die Methodik ist einfach genug, damit des Lesens unkundige Menschen problemlos daran teilnehmen können, jedoch flexibel genug, um sich komplexeren Vorgehensweisen anzupassen, wenn sich der Investitionsbedarf ändert. Mit der Unterstützung von lokalen Gemeinden und World Relief, schließt sich eine Gruppe von etwa 20 bis 35 Gemeinschaftsmitgliedern, meistens Frauen, zusammen, um eine Spargruppe zu gründen. Bei ihren regelmäßigen Gruppenmeetings legen sie ihre eigenen Mitgliedschaftsanforderungen fest, wählen Gruppenleiter und bestimmen einen Minimalbetrag, den jedes Mitglied sparen muss (das kann weniger als ein Dollar sein). Wer in der Lage ist, mehr zu sparen, kauft „Sparanteile“, um sein Konto zu erhöhen. Positiver Gruppendruck und laufende Schulungen helfen den Mitgliedern, ihren Sparplan einzuhalten und ein transparentes Abrechnungssystem erlaubt der Gruppe, das Geld in einem Schließfach zu deponieren (die Minimumanforderungen der offiziellen Banken sind oftmals zu hoch, um ein Bankkonto zu eröffnen). Wenn sich die Ersparnisse der Gruppe mit der Zeit vermehrt haben, können Gruppenmitglieder einen kleinen Kredit beantragen, oftmals zwischen $15 bis $35, um einmal einen größeren Geldbetrag zu beziehen. Viele investieren diesen in den Aufbau einer Tätigkeit, die ihnen ein kleines Einkommen zusichert. Alle Mitglieder zahlen den Kredit mit Zinsen zurück (der Zinsfuss wird von der Gruppe festgelegt), damit sich der gesamte Kreditfonds weiter vergrößert und noch andere Mitglieder in der Lage sind, ihre Unternehmen zu erweitern. Durch diesen Ansatz des Savings for Life, verlassen sich arme Menschen, besonders arme Frauen, auf ihre eigenen Führungsfähigkeiten, setzen ihre eigenen Maßstäbe, verlassen sich auf ein Einkommen, das sie selber erarbeiten und bieten ihren Mitgliedern gemeinsame Unterstützung an. Der ganze Ablauf liegt in ihren Händen und das bringt bleibende Veränderung.
Im Sommer 2008 gründete der einheimische Partner von World Relief in Burundi, Shigikirana (was “wir unterstützen einander” bedeutet), ein Savings for Life-Programm im der ländlichen Provinz Bujumbora. In den ersten eineinhalb Jahren schulten die Mitarbeiter von Shigikirana und einheimische Gemeinschafts-Beauftragte über viertausend Menschen in der Methodik des Programms und den Projekten, um bis zum Jahr 2015 55,000 Gemeinschaftsmitglieder zu erreichen. Bis Ende Februar 2010 hatten die 3,729 aktiven Gruppenmitglieder von Shigikirana zusammen über $29,000 in Sparanteilen akkumuliert. Die Höhe der Ersparnisse, die bis zu jenem Zeitpunkt von den Sparern von Shigikirana zusammenkamen, ist erstaunlich, besonders wenn man weiß, dass 93 Prozent der Bevölkerung Burundis mit weniger als $2 pro Tag auskommen müssen.(60) Seit der Gründung des Programms in Burundi hat World Relief bereits weitere Savings for Life-Programme in Ruanda und Kenia gegründet und plant, sich nach Indien, Haiti, Kambodscha und Malawi auszuweiten.
Die folgenden Anekdoten von Savings for Life, gegliedert rund um drei Themen von “Reichtum”, zeigen afrikanische Frauen von Burundi, Ruanda und Kenia als Heldinnen, ja, sogar als Prophetinnen unserer Zeit, wie sie ihre eigene Armut überwanden und auf ihre Gemeinschaften auf beispiellose Art zugingen.
Der Reichtum der Bevollmächtigung: Afrikanische Frauen überwinden die Armut
Hoffnungslosigkeit, Scham, Machtlosigkeit und ein Mangel an Selbstwert unter materiell armen Frauen stellen eine “gestörte Identität” oder eine “Armut des Seins” dar, welche Frauen daran hindert, ihr von Gott gegebenes Potential zu erreichen. Der Dienst muss „in die Verzweiflung eindringen, so dass der Glaube an eine neue Zukunft entstehen und angenommen werden kann…“ (61) Spargruppen bieten transformative Erfahrungen. Frauen werden zu Sparerinnen, Kreditgeberinnen, Managerinnen, Verwalterinnen, Geberinnen, Leiterinnen, Arbeitskolleginnen, Fürsorgerinnen und aktiven sozialen Teilhaberinnen innerhalb der Gemeinschaften, in denen sie leben. Indem sie ihre eigenen Aufgaben bewältigen, schulen sie sich gleichzeitig in finanziellen Dingen und in Führungsaufgaben. Nachdem sie in ihrer eigenen Gruppe beteiligt waren, gehen viele Frauen hinaus und mobilisieren andere Gruppen innerhalb der Gemeinschaft. In Shigikirana’s Spargruppen in Burundi melden sich Frauen freiwillig, um sich als “Gemeinschafts-Sensibilisatoren” in ihre Nachbarschaften einzubringen und den Menschen über die entstehenden Gruppen zu erzählen, und wie Gott daran arbeitet, ihre Situation zu verändern. Sich in Spargruppen zu beteiligen, entfacht neue Energien, weil die Frauen ihr eigenes Leben und das Leben der Menschen in ihrer Umgebung verändern.
Alice ist ein Beispiel der Bevollmächtigung. Sie ist eine Großmutter und hütet ihre drei Enkelkinder, mit denen sie in der Ortschaft Ruziba in Burundis Bujumbura-Provinz lebt. Alices Sohn starb bei einem Unfall und hinterließ seine Frau und Alice, die mit ihren wenigen Mitteln für die Kinder sorgen müssen. Weil Alice dachte, sie hätte keinerlei Kenntnisse oder Fähigkeiten, um damit ein Einkommen zu erwerben, verließ sie sich auf die Unterstützung und Fürsorge der Menschen in ihrer Nachbarschaft. Alice erinnert sich, wie sie jeden Tag einfach herumsaß, hilflos, mit Angst für die Zukunft ihrer Enkelkinder. Nachdem sie Mitglied einer Spargruppe in Ruziba wurde, entschied sich Alice, einen Kredit über 27,000 Burundische Franken ($21) aufzunehmen und begann, Holzkohle und Mehl zu verkaufen. Als sich ihr Einkommen vermehrte, bot sie auch Suppe und andere Lebensmittel zum Verkauf an. Sie plant, ihr Geschäft laufend zu erweitern und, wenn das Einkommen reicht, ein Stück Land zu kaufen, wo sie und ihre Enkelkinder leben können. Wenn Alice oder eines ihrer Enkelkinder krank ist, unterstützen sie ihren Gruppenmitglieder. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters zeigt Alice Durchhaltewillen und setzt ihre von Gott gegebene Kreativität ein, um ein gutes Leben für ihre Familie aufzubauen.
Beatrice, 37 Jahre alt, war früher einmal ein Flüchtling, ist aber in ihre Heimat Burundi zurückgekehrt. Vor vier Jahren starb ihr Ehemann und, obwohl es nichts Außergewöhnliches ist, eine Witwe in einem Nachkriegsland zu sein, findet eine Frau dann normalerweise ihre Kraft in ihren Kindern. Doch Beatrice ist unfruchtbar. Aufgrund der herrschenden Kultur erlaubte es diese Tatsache ihrem Mann, eine zweite Frau zu nehmen. Nach dem Tod von Beatrices Mann gab seine Familie der zweiten Frau und ihren Kindern alle seine Besitztümer, und hinterließ Beatrice mit praktisch nichts. Sie hatte keinerlei finanziellen Halt oder gesellschaftliche Würde mehr. Doch es gab noch etwas, das ihr Mann ihr hinterlassen hatte. Beatrice hat HIV. Sie lebte am untersten Rand ihrer Gesellschaft, doch eines Tages trat Beatrice einer Spargruppe bei, die sich „Rukundo“ nennt, was in der Kirundi-Sprache „Liebe“ bedeutet. In dieser Gruppe traf sich Beatrice regelmäßig mit 20 anderen Frauen. Ihre Würde und ihr Selbstwertgefühl nahmen zu, als die anderen sie zur Vorsitzenden der Spargruppe wählten. Langsam fing Beatrice an, Geld zu sparen. Mit einem Kleinkredit der Gruppe begann sie nicht nur ein kleines Geschäft, sondern war auch in der Lage, jemanden zur Aushilfe anzustellen. Mit dem Gewinn zahlt sie ihren Kredit zurück und legt weitere Ersparnisse an. Ihre Spargruppe ist ein Quelle der Ermutigung und Unterstützung für sie – sie ist nicht mehr allein. Obwohl sie so viel erlitten hat, sagt Beatrice heute von sich, sie sei eine gesegnete Frau. Sie ist eine bevollmächtigte Frau, „fähig, zu singen und zu tanzen, zu heilen und zu vergeben“. (62)
Der Reichtum der Freundschaft: Afrikanische Frauen kreieren Gemeinschaften der Hoffnung
Die eigenen finanziellen Mittel durch eine Spargruppe aufzubauen und wachsen zu sehen führt zu mehr als zur Bevollmächtigung. Wie Walter Brueggemann betont: “Die Dinge von Gottes Freiheit und Seinem Willen für Gerechtigkeit sind nicht immer in erster Linie in den großen Fragen des Tages ersichtlich – und das müssen sie auch nicht. Sie werden dort gesehen, wo Menschen versuchen zusammenzuleben und Interesse an ihrer gemeinsamen Zukunft und Identität zeigen.“(63) Die Frau, die spart, findet ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und eine „gemeinsame Zukunft“ mit den anderen in ihrer Gruppe. In den Gruppentreffen ist Raum für die Frauen, sich gegenseitig zu ermutigen, die Fragen des Lebens zu diskutieren, ihren Glauben zu teilen und zusammen zu beten. Mitglieder der World Relief Savings for Life-Programme sagen oft, dass diese immateriellen Dinge der wichtigste Grund ihrer Teilnahme sei.
Glorious Kayoya, die Frau eines Pastors einer Gemeinde in Ruziba, Burundi, ist Mitglied einer Spargruppe, die von ihrer Gemeinde unterstützt wird. Glorious erklärt, dass einer der immateriellen Vorteile, welche die Spargruppe ihrer Gemeinschaft gebracht hat, die Versöhnung innerhalb einer Gemeinschaft sei, die von jahrelangen Gewaltkonflikten schwer beeinträchtigt war:
„Bevor diese Gruppen gegründet wurden, besuchten sich die Mitglieder nie. Es gab große Konflikte unter den Mitgliedern der Gemeinde. Aber als sich die Gruppen zu formen begannen, hatte dies einen Grund. Wenn du etwas hast, das dich zusammenführt, dann lernst du einander kennen. Du arbeitest miteinander. Und dann findet letztendlich Versöhnung statt. Unsere Gemeinde hat Versöhnung erfahren. Die Konflikte sind vorbei. Und zusammen erkennen wir, dass wir einen Grund haben für das, was wir im Leben erreichen wollen.“
Ein anderes Mitglied der Spargruppe in Ruziba sagt Folgendes: „Da ist Liebe. In dieser Gruppe herrscht Liebe füreinander. Wenn wir heute ein Problem haben, gehen wir zu unserer Gruppe. Da ist diese große Liebe, die wir haben, um einander zu helfen und zu unterstützen. Das hatten wir früher nicht.“
Wenn ein Ein-Frauen-Unternehmen wächst und gedeiht, dann freut sich die ganze Spargruppe. Wenn ein Mitglied einen finanziellen Rückschlag erleidet, helfen ihr die Mitglieder, das Problem zu lösen, damit sie der Gruppe ihren Kredit zurückzahlen und wieder sparen kann. Spargruppen bilden ein Netz von Beziehungen durch gemeinsame finanzielle Verpflichtungen, Freundschaften und geteilte Tragödien und Triumphe. Statt dass sich Einzelne am unteren Ende der Gesellschaft finden und von Armut und Umständen geschlagen sind, arbeiten die „Spar-Frauen“ zusammen und werden ein eng verbundenes Team. Alle tragen gleichermaßen zu einem „Sozialfonds“ (64) bei – einer Notfallreserve, um denen zu helfen, die in Not sind.
Nancy, ein Mitglied der Kisa-Gruppe von Kitengela, ist eine junge Frau, die oft ihren kleinen Sohn zu den Gruppentreffen mitbrachte, bis er krank wurde und starb. Die Gruppe, die damals noch nicht lange existierte, gab ihren gesamten Sozialfonds von 500 kenianischen Schillingen ($7) plus einen zusätzlichen Beitrag von 500 Schillingen, um Nancy zu helfen, die Begräbniskosten für ihren Sohn zu bezahlen. Die Gruppenmitglieder gingen zum Begräbnis und trösteten Nancy, als sie um den Tod ihres Babys trauerte. Nancys Mann war von der Unterstützung der Gruppe so beeindruckt, dass er darauf besteht, dass seine Frau kein einziges Gruppenmeeting verpasst.
Die Solidarität und die gemeinsame Zukunft der Gruppenmitglieder geht über das Finanzielle hinaus. Die gegenseitige Ermutigung, das Gebet und die Liebe in Krisenzeiten dienen dazu, ein neues Gefühl der Gemeinschaft aufzubauen. Die Spargruppen werden Gemeinschaften der Hoffnung, die „auf einem Berg leuchten“(65) und andere inspirieren.
Der Reichtum des Mitgefühls: Afrikanische Frauen als Philanthropinnen und Aktivistinnen
Frauen in Spargruppen zeigen eine profunde Bereitwilligkeit, Opfer zu bringen für einander und für die Gemeinschaft. Manche von ihnen waren einmal so arm, dass sie betteln mussten, doch mit der Zeit hat ihre Einbindung in Spargruppen ihre Rolle komplett verändert. Frauen in Spargruppen werden zu Philanthropinnen und Aktivistinnen, und geben ihre bescheidenen Mittel, um anderen zu dienen, die Not leiden.
Zu den Ärmsten der Armen in den armen Städten der Länder südlich der Sahara gehören Menschen, die HIV haben sowie gefährdete Kinder und Waisen. Neben den körperlichen Auswirkungen isoliert das soziale Stigma die Leidenden zusätzlich aufgrund HIV und AIDS. Genau wie Christus zu den Leprakranken ging und zu denen, die damals als „unrein“ galten, so dienen Frauen in Spargruppen den Randständigen in ihrer Gesellschaft. In Gitega, Burundi, waren zwei Spargruppen berührt von der Not zweier obdachlosen HIV-positiven Frauen. Beide Gruppen unterstützten die Frauen, indem sie ihnen ein Haus bauten. Eine der Gruppen kauften mit ihrem Sozialfonds die notwendigen Materialien, während ein anderes Mitglied beim Aufbau half. Im zweiten Fall baute die Gruppe das Haus, hatte jedoch nicht die Mittel für das Dach. Ein Verwalter der Stadt kam zufällig vorbei, hielt and und fragte die Gruppenmitglieder, was sie hier tun würden. Als er hörte, sie würden ein Haus für eine Frau mit HIV bauen, mobilisierte er das nötige Geld, um das Dach fertig zu stellen. So wurden die Leben zweier Frauen für immer verändert, weil Frauen in Spargruppen ihr Mitgefühl für andere ausleben.
Frauen in Spargruppen in Burundi, Kenia und Ruanda dienen als Plattform, gefährdete Kinder in ihren Nachbarschaften zu erreichen. Aninette Nzisabira, eine Hausfrau aus Burundi konnte sich bei ihrem Beitritt in eine Spargruppe die Vorteile gar nicht vorstellen. Ihre Einstellung änderte sich, als sie von der Gruppe einen Kredit von 20,000 burundischen Franken ($16) erhielt, um eine Ziege zu kaufen. Mit der Zeit kaufte sie auch eine Nähmaschine, gründete ein Geschäft als Schneiderin und fing an, Tischtücher zu nähen. Aninette war als Waisenkind aufgewachsen und hatte immer davon geträumt, andere Waisen zu unterstützen und für sie zu sorgen. Doch ihre finanzielle Situation hatte das nie zugelassen. Heute sagt Aninette: „Jetzt habe ich ein Waisenkind angenommen und ich werde sie Dinge lehren, die man im Leben braucht, wie zum Beispiel das Nähen von Tischtüchern. Wir können miteinander in meinem Geschäft arbeiten und unsere Zukunft wird immer besser werden.“ Armut kann Aninettes Willen zu helfen nicht mehr lahm legen, und ihr größeres Einkommen lies sie nicht vergessen, was sie einmal durchlitten hat. Stattdessen lebt sie eine neue Barmherzigkeit aus.
Rose ist die Vorsitzende der Noonkipir-Gruppe in Kenia, einer Gruppe von 16 Frauen, die sich in einem kleinen Raum hinter dem Friseursalon der Schriftführerin der Gruppe treffen. In ihren Nachbarschaften sind viele Kinder verwaist, verursacht durch die HIV/AIDS-Epidemie. Die Waisenkinder kommen jeden Tag zu Rose; manche schlafen auf ihrem Fußboden. Eines Tages, als sie das Gruppentreffen leitete, brach sie in Tränen aus. Es schmerzte sie, und sie fühlte sich so hilflos, wenn sie an die Nöte der Waisenkinder in der Nachbarschaft dachte, und sie war auch nicht in der Lage, sie alle selbst zu unterstützen. Die Gruppe entschied einheitlich, in ihrer Verfassung darüber zu verfügen, dass ein Prozent ihres Sozialfonds dazu gebraucht würde, Waisen in der Nachbarschaft zu unterstützen. Nach nur einem Gruppentreffen wurde der gesamte Sozialfonds an zwei ältere Waisen vergeben, die alleine für ihre jüngeren Geschwister sorgten. Des Weiteren entschied die Gruppe, dass bei der Aufteilung am Jahresende ein Prozent ihres Gewinnes an Waisenkinder gehen würde. Diese Gruppe macht einen greifbaren und signifikanten Unterschied im Leben von gefährdeten Kindern in ihrer Umgebung. Sobald sich ihr Sozialfonds durch die fortlaufenden Aktivitäten vermehrt, wird ihr Einfluss nur noch größer werden.
Afrikanische Frauen, die früher einmal als arm und notleidend angesehen wurden, helfen heute Witwen, Waisen und Menschen mit HIV und AIDS in ihren Gemeinschaften. Das Wichtigste ist jedoch, dass diese Frauen anderen mit ihren eigenen Mitteln dienen, mit ihrer eigenen Kraft und aus eigener Initiative heraus. Ihre Aktivitäten gehen weit über die traditionellen Ansichten von Reichtum hinaus, indem sie Armut und Ungerechtigkeit durch Barmherzigkeit und Wiederherstellung überwinden.
Schlussfolgerung
Elizabeth ist eine Frau des Glaubens und hat Träume. Als Witwe lebt sie zusammen mit ihren drei Kindern,. Zwei von ihnen sind erwachsen und das dritte ist 12 Jahre alt. In der kleinen Stadt Biraka in Kenia trat Elizabeth der Biraka Wundergruppe bei. „Biraka“ bedeute in der Sprache der Massai „Wassertrog“, eine Verheißung der Erfrischung und Hilfe. Elizabeth verdient ihren Lebensunterhalt durch Kochen und den Verkauf von Pommes frites, doch ihr Traum ist es, Ladenbesitzerin zu werden. Von der Türe des Gebäudes aus, in dem ihre Spargrupppe sich trifft, kann sie gegenüber ein kleines, graues Bürogebäude sehen, wo Räumlichkeiten zu mieten sind. Sie möchte genug Geld sparen, um Räume zu mieten mit einem Kredit ihrer Gruppe, und dann ihren eigenen Laden aufmachen. Sie sagt, obwohl sie jetzt wenig hat, wird sie weiterhin auf Gott warten. Sie weiß, dass Gott eine Zukunft für sie hat, eine bessere Zukunft.
Für Frauen wie Elizabeth rufen Spargruppen Träume hervor; sie sind Geburtshelfer der Zukunft und erlauben Frauen, ihren von Gott gegebenen Reichtum zu realisieren und zum Ausdruck zu bringen. Spargruppen machen aus ganz normalen Frauen Unternehmerinnen, Prophetinnen, Aktivistinnen und Philanthropinnen. „Ihre Kinder wachsen heran und preisen sie glücklich“,(66) und sie verändern die Welt um sich herum.
Wenn wir den Reichtum, die Armut und die Macht in unserer heutigen Welt betrachten, dann lasst uns nicht die Einladung Jesajas vergessen: „...dass ihr ungerechte Fesseln öffnet...dass ihr die Bedrängten freilasst und jegliches Joch wegreißt.“ (67) Doch lasst uns nicht vergessen, uns mit den Unterdrückten zu verbinden und ihre Fesseln richtig zu verstehen, bevor wir versuchen, ihr Joch wegzunehmen. Lasst uns zusammen mit den Unterdrückten Lösungen „von innen nach außen“ finden, bevor wir zum Schluss kommen, solche „von außen nach innen“ seien notwendig. Lasst uns nicht den Reichtum der Armen unterschätzen. Zu unserem Erstaunen könnten die Unterdrückten einfach weitermachen, ihre eignen Jochs wegzunehmen und auf den Gräbern ihrer Verzweiflung zu tanzen.
© The Lausanne Movement 2010
1.Stephan Bauman (sbauman@wr.org) ist Senior Vice President der Hilfsprogramme bei World Relief, (www.worldrelief.org) wo er einige Tausend Mitarbeiter in 20 Ländern der Welt betreut, die daran arbeiten, die Armen bei der wirtschaftlichen Entwicklung, im Gesundheitswesen, in den Flüchtlings- und Einwanderungsdiensten, der Friedensbildung und der Katastrophenhilfe zu unterstützen. Wendy Wellman (wwellman@wr.org) ist Savings-Led Technical Advisor im technischen Team der Wirtschaftsentwicklung bei World Relief, und unterstützt Hilfsprogramme in Kenia, Ruanda und Burundi. Megan Laughlin (mlaughlin@wr.org) ist technische Beraterin in der Entwicklung von Kindern bei World Relief, und unterstützt weltweite Hilfsprogramme.
2.Übersetzt aus der Twi-Sprache, Ghana.
3.Von den ungefähr 6.5 Milliarden Menschen in der Welt leben etwa 4 Milliarden mit weniger als $4 pro Tag. Eine Milliarde davon haben zwischen $2 bis $4 pro Tag zum Leben, eine weitere zwischen $1 and $2 pro Tag. Die übrige Milliarde lebt mit weniger als einem Dollar pro Tag. Collier, P., The Bottom Billion: Why the Poorest Countries Are Failing and What Can Be Done About It by (Oxford: Oxford University Press, 2007), p. 29.
4.The Red Campaign, www.redcampaign.0rg
5.From Freedom from Hunger, at www.freedomfromhunger.org
6.Walter Brueggemann, The Prophetic Imagination (Minneapolis, MN: Augsburg Fortress Press, 2002), p. 65.
7.Während wir uns auf die Kleinstfinanzierungsgruppen-Bewegung ausrichten, gibt es noch andere profunde Bewegungen, z.B. in Liberia. Was dort als eine Gebetsbewegung unter den Frauen von Liberia anfing, um den Bürgerkrieg zu beenden, erreichte den Höhepunkt in der Wahl der ersten weiblichen Präsidentin des Kontinents, Ellen Johnson Sirleaf, die sich für die Souveränität der Frauen einsetzt.
8.Basierend auf 130 Millionen Klienten weltweit, von denen 80Prozent Frauen sind, Microcredit Summit Campaign (www.microcreditsummit.org)
9.Bruce, Bradshaw, Bridging the Gap: Evangelism, Development, and Shalom (Monrovia, CA: Marc Publishing, 1994).
10.1. Mose 2
11.Geistliches Kapital, eine Teilmenge des sozialen Kapitals, ist die Kraft oder der Einfluss, der durch den religiösen Glauben oder durch religiöse Praktiken einer Person oder Gemeinschaft geschaffen wurde (Liu, Alex.” Measuring Spiritual Capital as a Latent Variable”. RM Institute, California, 2007.)
12.1. Mose 12,1
13.David Befus und Stephan Bauman, “Wirtschaftliche Gerechtigkeit für die Armen,” in Ganzheitliche Mission: Occasional Paper No. 33, Lausanne Committee for World Evangelization, 2004, online.
14.Ronald Sider, Rich Christians in an Age of Hunger (Nashville, TN: Thomas Nelson, 2005), p. 89.
15.Matthäus 6,2-4.
16.S. z.B. Apostelgeschichte 2,45
17.Psalm 24,1.
18.„Wie schwer ist es für die Reichen, ins Reich Gottes einzugehen.” Lukas 18,24, Matthäus 19,23 und Markus 10,23
19.„Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Matthäus 6,24
20.Matthäus 6,33
21.Michael Novak, quoted by Dinesh D’Souza, Virtue of Prosperity: Finding Values in an Age of Techno-Affluence (New York: Free Press, 2000), pp. 143-144
22.Craig Blomberg, Neither Poverty Nor Riches (Downers Grove, IL: Intervarsity Press, 1999), p. 242.
23.Roy McCloughry, “Basic Stott”(Christianity Today, 40, January 8, 1996), p. 29.
24.S. z.B. Ron Sider, Rich Christians in an Age of Hunger (Nashville, TN: Thomas Nelson, 2005), pp. 122-132.
25.Der ehemalige Präsident Bill Clinton hat öffentlich für die Politik Abbitte geleistet, die zum Misserfolg von Haitis Reisanbau und anderen Ernten beigetragen hat. Siehe “With Cheap Food Imports, Haiti Can’t Feed Itself,” Washington Post, March 20, 2010, online.
26.Roger Thurow Scott Kilman, Enough: Whey the World’s Poorest Starve in an Age of Plenty (New York: Public Affairs, 2009), p. xviii
27.Bryant Myers, Walking with the Poor (Maryknoll, NY: Orbis, 1999), p. 36.
28.Für eine gute Erklärung der systemischen oder strukturellen Sünde, siehe Ron Sider, Rich Christians in an Age of Hunger (Nashville, TN: Thomas Nelson, 2005).
29.Lukas 10,27.
30.Deepa Narayan, Voices of the Poor: Can Anyone Hear Us? (Oxford University Press, Oxford, 2002), p.2.
31.Steve Corbett and Brian Fikkert, When Helping Hurts: How to Alleviate Poverty Without Hurting the Poor and Yourself (Chicago: Moody Publishers, 2009), p. 53.
32.Connie Harris Ostwald, “A Deeper Look at Poverty: Challenges for Evangelical Development Workers.” Transformation, Volume 26 No 2, April 2009, pp. 135.
33.Bryant Myers, Walking with the Poor (Maryknoll, NY: Orbis, 1999), p. 76
34.David Barret and Todd Johnston, T., World Christian Trends, (William Cary Library Publishers: Pasadena, CA, 2003).
35.Clinton, H.R., “Remarks at the UN Commission on the Status of Women,” March 12, 2010, New York, online at www.state.gov/secretary/rm/2010/138320.htm
36.“Gendercide”, The Economist, March 6th, 2010, p., 13Markus 15,40-41
37.Mark 15:40-41
38.Johannes 4,39.
39.Lukas 7,47
40.Johannes 20,16.
41.S. u.a. z.B. Jesaja 58
42.Vine’s Expository Dictionary of Biblical Words. (Thomas Nelson Publishers, 1985), online.
43.John R. Schneider, The Good of Affluence: Seeking God in a Culture of Wealth (Grand Rapids, MI: Eerdmans, 2002), p. 117.
44.In der hebräischen Kultur zu den Zeiten Jesu „... war der Status eines Menschen in einer Gemeinschaft nicht so sehr eine Sache der wirtschaftlichen Gegebenheiten, sondern war abhängig von...Bildung, Geschlecht, Abstammung, religiöser Reinheit, Beruf und Wirtschaftlichkeit“. Joel Green, The Gospel of Luke, (Erdmanns: East Lansing, Michigan, 1997), p. 210
45.Die vollständige Abhandlung dieses Konzepts findet man in: Jurgan Moltmann, The Crucified God (Minneapolis, MN: Augsburg Fortress, 1993).
46.David Bosch, Transforming Mission: Paradigm Shifts in Theology of Mission, (Maryknoll, NY.: Orbis Books, 1991
47.Zitiert von Ron Sider, Rich Christians in an Age of Hunger (Nashville, TN: Thomas Nelson, 2005), p. 125.
48.Leslie Newbigin, The Gospel in a Pluralist Society (Grand Rapids, Eerdmanns, 1989), p. 129.
49.Ibid, p. 134.
50.Steve Corbett and Brian Fikkert, When Helping Hurts: How to Alleviate Poverty Without Hurting the Poor and Yourself (Chicago: Moody Publishers, 2009), p. 67
51.Westliche Menschen müssen die Überlegenheiterkennen, die sie an die Mehrheit der Welt übermitteln, ob international oder nicht.
52.Oft bezeichnet als “eine Stimme für die Armen werden“.
53.In Pädagogik der Unterdrückten (New York: Continuum Books, 1990), nennt Paulo Friere dies “Bewusstseinserweckung”, d.h. wenn die Armen vom Stadium des bloben Seins in den Prozess der Veränderung wechseln, um tatsächlich Personen oder Veränderungs-Beauftragte zu werden.
54.Jaykumar Christian geht dieses Thema an, indem er “Armut des Seins” und “Armut als Berufung” als die tiefsten und schlimmsten Formen der Armut bezeichnet. S. Bryant Myers, Walking with the Poor (Maryknoll, New York: Orbis, 1999).
55.Steve Corbett and Brian Fikkert, When Helping Hurts: How to Alleviate Poverty Without Hurting the Poor and Yourself (Chicago: Moody Publishers, 2009), p 126
56.Rowan Williams, “Relating Intelligently to Religion”, Guardian.co. uk, November 12, 2009, online.
57.CGAP Focus Note 24, Weltbank, online.
58.Nicolas Kristoff and Sheryl Wudunn, Half the Sky (New York: Knopf Publishing, 2009), p. 191.
59.For more information, see CGAP Focus Note 37, “Safe and Accessible: Bringing Poor Savers into the Formal Financial System,” http://www.microfinancegateway.org/gm/document-1.9.28097/36533_file_04.pdf, September 2006
60.Burundi Fact Sheet, UN Human Development Report 2009, http://hdrstats.undp.org/en/countries/data_sheets/cty_ds_BDI.html
61.Walter Brueggemann, The Prophetic Imagination (Minneapolis, MN: Augsburg Fortress, 2002), p 117
62.Walter Brueggemann, The Prophetic Imagination (Minneapolis, MN: Augsburg Fortress, 2002), p 112
63.Ebd, S. 117
64.Der Sozialfonds einer Spargruppe ist eine Notfall-Reserve und wird eingesetzt, um die Mitglieder in Notsituationen zu unterstützen. Gruppenmitglieder tragen gleichermaben bei jedem Treffen zum Fonds bei, in Beträgen von einem Viertel bis zur Hälfte des Betrags ihres Anteils. Der Sozialfonds funktioniert ähnlich wie eine Versicherung, ist jedoch nicht mit einer Versicherungs-Police vergleichbar, weil die Mitglieder entscheiden, wann und wie der Sozialfonds eingesetzt wird, um den Peers ihrer Gruppe Mitgefühl in einer Krise zu zeigen. Eine Spargruppe in Kenia gibt z.B. Zuschüsse von $27 an Mitglieder, die einen Tod oder eine schlimme Krankheit in der Familie erfahren oder für andere grobe Anlässe, wie z.B. für die Hochzeit eines Familienmitglieds aufzukommen.
65.Matthew 5:14
66.Sprüche 31,28
67.Jesaja 58,6
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Stichwörter: Der Reichtum der Armen
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Vereinigte Staaten von Amerika
There are so many things and ideas that are reinforced in this article. I am one who so often times gets caught up in my own independence, and the need to "do" things for others. Reflexing on my personal experiences and also on this article has helped me again place the perspective that so often times I and others learn outrageously more when we are given the resources but required to do the task ourselves. By these loans providing a hand up not a hand out the women are able to live into their God given talents, dreams and own them, while sharing them with others. This not only encourages me but makes me think what can I do to be a life changing benefit to another.
08.09.2011
Vereinigte Staaten von Amerika
I thoroughly enjoyed this article. The idea that the community should strengthen itself reminds me of asset-based community development. As an person of African descent in America I am guilty of thinking that we should help Africa more with financial remedies without thinking about the importance of transformation through identifying and building upon their own assets.
17.04.2011
Südafrika
Community farms: (Kibbutz)
4 land & wealth redistribution, to evangelise the community: To train, educate, work, live and have a base from where to launch missionaries into the community. A community farm is where the Christians in the community corporately owns the property. Our corporate finances provide 4 cost of the farm, infrastructure & accommodation for those working on farms while they are discipled. Investors, invest directly in the crops to secure food and jobs for the people. Thousands of jobs will be created where people could be evangelise, reconciled, unity restored and worldviews changed to a Biblical one. Farms will act as a place of employment, a basic income, a missionary training School, an orphanage and launching pad to send trained missionaries. Here Christ Jesus will be a way of living where the community will see what we preach!
Three legs: (Operating separately)
1. Accommodation and employers Lodges/Hostels on farms with infrastructure:
2. Education, “Skills” development, Discipleship training & orphanages.
3. Agricultural projects – investment arm. (Project financing). Outside investors.
Full scale business to create a holistic cosmos to the missionary to have the infrastructure needed to live and operate in without lack or limitations.
Shammah Foundation: Marius Brand: Cell 082 9210 275, e-mail - mariba@zsd.co.za. www.koevoet4christ.co.za
18.10.2010
Peru
COMENTARIO
Muchas gracias hermanos por compartir con nosotros este escrito previo al Congreso.
El tema que presentan es realmente útil y oportuno para este tiempo de tantos cambios He iniciativas para apoyar y acudir a los grupos de pobreza extrema. Yo puedo dar fe que la propuesta de empoderamiento del llamado “pobre” es fundamental y útil para un cambio integral, desde mi modesta experiencia latinoamericana reconozco la lucha entre desafiar al pobre y sobre protegerlo. Lucha entre la inclinación a la dependencia frente a la independencia emprendedora .Considero muy claves los conceptos que ustedes comparten al hablar de las implicancias del alcance de deseo d Dios “ shalom “así como los principios bíblicos relacionados con la riqueza, pobreza y el poder.
Las experiencias del trabajo con las mujeres, es inspiradora .En resumen hermanos, todo lo compartido en este texto significa una herramienta para ser compartida en mi iglesia y entre mis amigos que viven en lo que califican como pobreza extrema.
Yo trabajo alcanzando a jóvenes en estado de riesgo social junto con un equipo mixto de trabajadores nacionales y extranjeros ,en mi país hay aun mucho que hacer en lo que se refiere a la concepción de los más pobres ,pretendo recoger mucho de lo que ustedes comparten para llevarlo a mi Iglesia local como herramienta de desafío .
12.10.2010
Rumänien
thank you for a fantastic article that grounds proven practice in theological approaches to poverty.
06.10.2010
Frankreich
Tank you for this very interesting contribution, that reminds the holistic character of the Gospel. I appreciated especially the analysis of poverty in terms of self image, humiliation, powerlessness.
One line of thought it opened for me is the connection between the necessary empowerment of women, and its impact on men. Empowering women is needed to enable them to increase their autonomy and limit their vulnerability. But to what extent does this ministry to women impact the way men see women and themselves? Can there be a way of dealing with this issue that would also empower men and show them a biblical image of themselves?
A second point appeared while I read this article. As far as I know, this ’saving movement’ is less efficient in western individualistic cultures: opportunism seems to be more developped and makes it difficult to build the required trust in a group. It makes me think about the down-to-earth initiatives that could encourage empowerment AND trust in our societies.
Thank you for making me think further about the way we have to find to be relevant and coherent with the gospel we preach.
05.10.2010
Argentinien
Muchas gracias por esta excelente presentación que trae inspiración, aliento y nos ayuda para ampliar la vision con una perspectiva renovada. Muchas gracias por desafiarnos y me impactan las palabras finales: ¨Al contemplar la riqueza, la pobreza y el poder en nuestro mundo de hoy, no olvidemos la invitación de Isaías a “soltar las cargas de opresión… dejar ir libres a los quebrantados” y a romper “todo yugo”. Pero recordemos acercarnos a los oprimidos para comprender profundamente sus cadenas antes de procurar liberarlos de su yugo. Analicemos junto con los oprimidos soluciones “de dentro hacia afuera”, antes de concluir que son necesarias soluciones de “afuera hacia adentro”. No subestimemos la riqueza de los pobres. Para nuestro asombro, con la ayuda de nuestro Señor y Salvador, los oprimidos pueden continuar desprendiéndose ellos mismos de sus yugos y danzar sobre sus tumbas de desesperanza¨
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12.08.2010
Taiwan
Thank-you for reminding us that everyone has resources to share with those around them.
One concern I always have with any programme is that when divorced from the gospel (I’m not saying you did this -it just wasn’t always explicitly stated) it changes it’s meaning. It is the gospel that tells us that everyone has worth because we are made in God’s image. It is the gospel that gives hope and meaning to why we should care and work together and be creative...some famous organizations which started as gospel focussed have now drifted from this and thus diluted their effectiveness.
One of the things I loved in a previous church planting area was that it was communicated over and over that ’offerings’ didn’t have to be money. Some people contributed food, others wisdom and pastoral care, others their skill in cooking the food ...even so there was still one old lady who quit coming because she felt inferior and unable to communicate. It took a lot of going over and over the concepts of worth in God’s eyes apart from what she could contribute and also the concepts of being a ’body’ and when she wasn’t with us that we were ’crippled’ in some way.
26.07.2010
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