Autor: The Lausanne Movement
Datum: 24.10.2010
Category: Partnerschaft
Vorabkopie – Nur Teil 1
Die Kapstadt-Verpflichtung ist ein zweiteiliges Dokument: Teil 1 ist “Was wir glauben”, geschrieben von Theologen aus aller Welt. Teil 2 wird wahrscheinlich im Dezember erscheinen und ist ein Aufruf zum Handeln als Ergebnis dessen, was beim Kongress gehört und besprochen wurde.
Teil 1
1. Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat
2. Wir lieben den lebendigen Gott
3. Wir lieben Gott, den Vater
4. Wir lieben Gott, den Sohn
5. Wir lieben Gott, den Heiligen Geist
6. Wir lieben Gottes Wort
7. Wir lieben Gottes Welt
8. Wir lieben Gottes Evangelium
9. Wir lieben Gottes Volk
10. Wir lieben Gottes Zielsetzung mit und Auftrag für die Welt
PRÄAMBEL
Als Mitglieder der weltweiten Gemeinde Jesu Christi bekräftigen wir freudig unsere Hingabe an den lebendigen Gott und seinen Rettungsplan durch den Herrn Jesus Christus. Um seinetwillen erneuern wir unsere Verpflichtung auf die Vision und die Ziele der Lausanner Bewegung.
Das bedeutet zweierlei:
Erstens: Wir bleiben der Aufgabe verpflichtet, weltweit Zeugnis abzulegen von Jesus Christus und seiner gesamten Lehre. Der Erste Lausanner Kongress (1974) wurde einberufen, um das Thema Weltevangelisation neu in den Blickpunkt zu rücken. Hauptgeschenke an die weltweite Gemeinde waren unter anderem: die Lausanner Verpflichtung; ein neues Bewusstsein für die Zahl noch unerreichter Volksgruppen; und die Neuentdeckung des ganzheitlichen Charakters von biblischem Evangelium und christlichem Auftrag. Der Zweite Lausanner Kongress in Manila (1989) führte zur Entstehung von über 300 strategischen Partnerschaften für Weltevangelisation, einschließlich vieler, die eine länderübergreifende Zusammenarbeit in allen Teilen der Welt beinhalteten.
Und zweitens bleiben wir den Hauptdokumenten der Bewegung verpflichtet – Der Lausanner Verpflichtung (1974) und dem Manifest von Manila (1989). Darin werden biblische Wahrheiten klar und deutlich benannt und ihre Anwendung auf unseren praktischen Auftrag auf eine Art und Weise dargelegt, die auch heute noch relevant und herausfordernd ist. Wir bekennen, dass wir den in diesen Dokumenten eingegangenen Verpflichtungen nicht treu nachgekommen sind. Aber wir empfehlen sie und halten an ihnen fest, während wir zu erkennen versuchen, wie die ewige Wahrheit des Evangeliums in unserer sich ständig verändernden Welt vermittelt und praktisch angewendet werden kann.
Die Art und Weise, wie wir leben, denken und zueinander in Beziehung stehen, ist umfassenden und zunehmend schneller greifenden Veränderungen unterworfen. Globalisierung, digitale Revolution und wechselndes Gleichgewicht wirtschaftlicher und politischer Macht in der Welt haben positive wie auch negative Auswirkungen. Wir werden mit Dingen konfrontiert, die in uns teilweise Trauer und Angst auslösen – globale Armut, Krieg, Krankheit, Umweltkrise und Klimaveränderung. Aber eine der großen Veränderungen in unserer Welt ist Grund zur Freude – das Wachstum der weltweiten Gemeinde Christi.
Beweis dafür ist die Tatsache, dass der Dritte Lausanner Kongress in Afrika stattgefunden hat. Mindestens drei Viertel aller Christen leben heute in den Ländern des globalen Südens und Ostens. Die Zusammensetzung des Kongresses von Kapstadt ist Spiegelung dieser enormen Verschiebung, wie sie sich seit der Missionskonferenz von Edinburgh 1910 für das weltweite Christentum ergeben hat. Wir freuen uns über das erstaunliche Wachstum der Gemeinde in Afrika und darüber, dass unsere afrikanischen Brüder und Schwestern in Christus Gastgeber für diesen Kongress waren.
Christliche Mission muss auf die Realitäten der eigenen Generation reagieren. Ebenso müssen wir von der Mischung aus Weisheit und Irrtum lernen, die frühere Generationen uns hinterlassen haben. Wir ehren die Vergangenheit und zeigen aktiven Gestaltungswillen für die Zukunft.
Aber in unserer sich verändernden Welt bleibt auch manches gleich. Diese großen Wahrheiten bilden die biblische Begründung für unser missionales Engagement.
Diese Verpflichtung ist formuliert in der Sprache der Liebe. Liebe ist die Sprache des Bundes. Die biblischen Bundesschlüsse, alte wie neue, sind Ausdruck von Gottes erlösender Liebe und Barmherzigkeit, die der verlorenen Menschheit und der verschandelten Schöpfung entgegenstrecken. Als Gegenleistung ist unsere Liebe gefragt. Sie zeigt sich in Vertrauen, Gehorsam und leidenschaftlichem Engagement für den Herrn dieses Bundes. Die Lausanner Verpflichtung definierte Evangelisation folgendermaßen: ”die ganze Gemeinde bringt der ganzen Welt das ganze Evangelium”. Dem gilt immer noch unsere Leidenschaft. Daher erneuern wir diese Verpflichtung, indem wir erneut bekräftigen:
Im Spannungsfeld dieser dreifachen Liebe verpflichten wir uns erneut, die ganze Gemeinde zu sein, das ganze Evangelium zu glauben, weiterzusagen und ihm zu gehorchen und in die ganze Welt zu gehen, um zu Jüngern zu machen alle Völker.
TEIL EINS
Für den Herrn, den wir lieben: Unser Verpflichtung zum Glauben
Gottes Zielsetzung mit und Auftrag für die Welt entspringt aus Gottes Liebe. Der Auftrag des Volkes Gottes entspringt aus unserer Liebe zu Gott und zu allem, was Gott liebt. Weltevangelisation ist Ausdruck der Liebe Gottes zu uns und durch uns. Wir bekräftigen, dass Gottes Gnade oberste Priorität hat, und wir reagieren auf diese Gnade durch Glauben, der sich im Gehorsam aus Liebe zeigt. Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühne für unsere Schuld. [1]
a) Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten sind oberstes und höchstes Gebot, an dem das Gesetz und die Propheten hängen. Liebe ist Erfüllung des Gesetzes und wird als Frucht des Heiligen Geistes zuerst genannt. Liebe ist der Nachweis, dass wir wiedergeboren sind; die Gewissheit, dass wir Gott kennen; und der Beweis, dass Gott in uns wohnt. Liebe ist das neue Gebot Christi, der seinen Jüngern sagte, dass ihr Auftrag nur durch Erfüllung dieses Gebotes sichtbar und glaubwürdig sein würde. In christlicher Liebe füreinander macht sich der unsichtbare Gott, der sich durch seinen fleischgewordenen Sohn sichtbar machte, auch weiterhin sichtbar für die Welt. Liebe gehörte zu den ersten Dingen, die Paulus bei neubekehrten Christen beobachtete und wozu er sie aufforderte, zusammen mit Glaube und Hoffnung. Aber die Liebe ist die Größte unter ihnen, denn Liebe hört niemals auf. [2]
b) Solch eine Liebe ist nicht schwach oder sentimental. Gottes Liebe geschieht in Treue zu seinem Bund, ist verbindlich, selbstlos, opferbereit, stark und heilig. Gott ist Liebe, und so durchdringt die Liebe sein gesamtes Sein, all sein Handeln, seine Gerechtigkeit und sein Mitgefühl. Gottes Liebe gilt seiner gesamten Schöpfung. Wir sind zu einer Liebe aufgerufen, die die Liebe Gottes in all diesen Dimensionen widerspiegelt. Das ist gemeint, wenn wir davon sprechen, auf den Wegen des Herrn zu wandeln. [3]
c) Mit der Formulierung unserer Überzeugungen und Verpflichtungen in der Sprache der Liebe, greifen wir die grundlegendste und anspruchsvollste biblische Herausforderung von allen auf:
d) Diese Liebe ist als Geschenk Gottes ausgegossen in unsere Herzen, aber sie ist zugleich Gebot Gottes und fordert unseren willentlichen Gehorsam. Solche Liebe bedeutet, Christus gleich zu werden: beständig im Ertragen, aber sanft in Demut; stark im Widerstehen des Bösen, aber liebevoll im Mitgefühl für Leidende; mutig im Leiden und treu selbst bis zum Tod. Christus hat solche Liebe auf der Erde vorgelebt, und verfolgt sie als der Auferstandene in Herrlichkeit. [5]
Wir bekräftigen, dass diese umfassende biblische Liebe für Jünger Jesu Identitätsmerkmal und Kennzeichen sein sollte. Als Reaktion auf Jesu Gebet und Gebot sehnen wir uns danach, dass dies bei uns so sein möge. Traurig bekennen wir, dass es häufig nicht so ist. Und so verpflichten wir uns erneut dazu, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um so zu leben, zu denken, zu reden und zu agieren, dass deutlich wird, was es heißt, in Liebe zu wandeln – Liebe für Gott, Liebe füreinander und Liebe für die Welt.
Unser Gott, den wir lieben, offenbart sich in der Bibel als der eine, ewige, lebendige Gott, der alle Dinge nach seinem unumschränkten Willen regiert und mit allen Dingen sein Erlösungsziel erreichen will. In der Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist, ist Gott allein Schöpfer, Herrscher, Richter und Retter der Welt.[6] Daher lieben wir Gott durch fröhlichen Dank für unseren Platz in der Schöpfung, durch Unterwerfung unter seine göttliche Vorsehung, durch Vertrauen in seine Gerechtigkeit und durch ewiges Lob für die Errettung, die er für uns vollbracht hat.
a) Wir lieben Gott vor allem anderen. Es ist uns geboten, allein den lebendigen Gott zu lieben und anzubeten. Aber wie das Volk Israel im Alten Testament lassen wir zu, dass unsere Liebe zu Gott verzerrt wird, indem wir den Göttern dieser Welt nachlaufen, den Göttern der Menschen um uns herum.[7] Verleitet von den Götzen Habgier, Macht und Erfolg verfallen wir in Synkretismus, und dienen dem Mammon anstatt Gott. Wir akzeptieren herrschende politische und wirtschaftliche Ideologien, ohne sie kritisch im Licht der Bibel zu hinterfragen. Unter dem Druck eines religiösen Pluralismus sind wir versucht, Zugeständnisse zu machen bezüglich unseres Glaubens an die Einzigartigkeit Christi. Wie das Volk Israel müssen wir auf den Ruf Jesu und der Propheten achten, der uns zur Buße bewegen will, zur Aufgabe all dessen, was um unsere Aufmerksamkeit buhlt und zur Rückkehr zu gehorsamer Liebe und zum Lob Gottes – ganz und ausschließlich.
b) Wir lieben Gott mit Leidenschaft für seine Herrlichkeit. Das stärkste Motiv für die Erfüllung unseres Auftrags ist dasselbe, das auch Triebkraft für die Zielsetzung Gottes ist: Die gesamte Schöpfung soll den wahren, lebendigen Gott kennen und verherrlichen. Das ist Gottes höchstes Ziel und sollte unsere größte Freude sein.
“Wenn es Gottes Wunsch ist, dass jedes Knie sich Jesus beugen und jede Zunge ihn bekennen soll, dann sollte das auch unser Wunsch sein. Wir sollten ’eifern’ (so wie die Bibel es manchmal ausdrückt) für die Ehre seines Namens – besorgt, wenn er unbekannt bleibt, verletzt, wenn er ignoriert wird, aufgebracht, wenn er gelästert wird und immer eifrig und entschlossen, damit ihm die Ehre und Herrlichkeit zukommt, deren er würdig ist. Das stärkste aller missionarischen Motive ist weder Gehorsam gegenüber dem Missionsbefehl (so wichtig er auch sein mag) noch Liebe für Sünder, die Gott entfremdet und dem Untergang geweiht sind (so stark der Anreiz auch sein mag, besonders angesichts des Zorns Gottes). Das stärkste aller Motive sollte Eifer sein --- brennender und leidenschaftlicher Eifer --- für die Herrlichkeit Jesu Christi … Vor diesem höchsten Ziel des christlichen Auftrags verkümmern und vergehen alle anderen Ziele.”[8] John Stott
Unser größter Kummer sollte sein, dass in unserer Welt der lebendige Gott nicht verherrlicht wird. Der lebendige Gott wird in einem aggressiven Atheismus geleugnet. Der einzig wahre Gott wird durch das Praktizieren von Weltreligionen ersetzt oder verzerrt. Unser Herr Jesus Christus wird in einigen Populärkulturen missbraucht und falsch dargestellt. Und das Angesicht des Gottes der biblischen Offenbarung wird verschleiert durch christlichen Nominalismus, Synkretismus und christliche Heuchelei.
Gott inmitten einer Welt zu lieben, die ihn abweist und verzerrt, erfordert ein kühnes, aber demütiges Zeugnis von unserem Gott; beständige aber von Barmherzigkeit geprägte Verteidigung der Wahrheit des Evangeliums Christi, des Sohnes Gottes; und auf Gebet basierendes Vertrauen in das aufrüttelnde und überzeugende Werk seines Heiligen Geistes. Wir verpflichten uns zu solchem Zeugnis, denn unsere Behauptung Gott zu lieben, muss seine höchste Priorität zu der unsrigen machen: die Erhebung von Gottes Namen und Wort über alle Dinge.[9]
Durch Jesus Christus, Gottes Sohn – und durch ihn allein, der Weg, Wahrheit und Leben ist – lernen wir Gott als Vater kennen und lieben. Wenn der Heilige Geist unserem Geist bezeugt, dass wir Gottes Kinder sind, dann rufen wir mit den Worten Jesu “Abba, lieber Vater”, und wir beten so, wie Jesus es uns gelehrt hat - “Vater unser”. Unsere Liebe zu Jesus, die sich im Gehorsam erweist, trifft auf die Liebe des Vaters zu uns, wenn der Vater und der Sohn in uns Wohnung nehmen, im gegenseitigen Geben und Nehmen von Liebe.[10] Diese innige Beziehung ruht auf einem tiefen biblischen Fundament.
a) Wir lieben Gott als den Vater seines Volkes. Das alttestamentliche Volk Israel kannte Gott als Vater, als den einen, der es erschuf, trug und leitete, Gehorsam einforderte, sich nach seiner Liebe sehnte, mitfühlende Vergebung gewährte und geduldige, ertragende Liebe erwies.[11] All dies gilt auch für unsere Beziehung zu unserem Vater Gott, die wir Volk Gottes in Christus sind.
b) Wir lieben Gott als den Vater, der die Welt so sehr liebte, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit wir gerettet werden. Wie groß ist die Liebe des Vaters zu uns, dass wir Kinder Gottes genannt werden sollen. Wie unermesslich groß ist die Liebe des Vaters, der seinen einzigen Sohn nicht verschonte, sondern ihn für uns hingegeben hat. Diese Liebe des Vaters, die Ausdruck fand in der Hingabe des Sohnes, wird gespiegelt in der aufopfernden Liebe des Sohnes. Das Erlösungswerk, das der Vater und der Sohn am Kreuz vollbrachten, geschah – durch den ewigen Geist - in vollkommener Willensübereinstimmung. Der Vater liebte die Welt und gab seinen Sohn; “der Sohn Gottes liebte mich und gab sich für mich hin.” Diese Einheit von Vater und Sohn, von Jesus selbst bestätigt, klingt nach im bekanntesten Paulusgruß: “Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat ... nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, dem die Herrlichkeit sei in alle Ewigkeit.” [12]
c) Wir lieben Gott als den Vater, dessen Wesen wir widerspiegeln und dessen Fürsorge wir vertrauen. In der Bergpredigt verweist Jesus wiederholt auf unseren himmlischen Vater als Vorbild bzw. Zentrum unseres Handelns. Als Kinder Gottes sollen wir Friedensstifter sein. Wir sollen Gutes tun, damit unser Vater gepriesen wird. Wir sollen unsere Feinde lieben und so Gottes väterliche Liebe spiegeln. Unser Geben, Beten und Fasten soll nur für die Augen Gottes bestimmt sein. Wir sollen anderen vergeben, so wie unser Vater uns auch vergibt. Wir sollen keine Angst haben, sondern der Vorsehung unseres Vaters vertrauen. Dieses aus einem christlichen Wesen und Lebensstil resultierende Verhalten erfüllt den Willen des Vaters im Himmel, innerhalb des Reiches Gottes.[13]
Wir bekennen, dass wir die Wahrheit der Vaterschaft Gottes oft vernachlässigt und uns selbst um den unserer Beziehung zu ihm innewohnenden Reichtum gebracht zu haben. Wir verpflichten uns neu, durch Jesus, den Sohn, zum Vater zu kommen; seine väterliche Liebe anzunehmen und zu erwidern; unter seiner väterlichen Zucht in Gehorsam zu leben; sein väterliches Wesen in unserem gesamten Verhalten und unserer Gesinnung widerzuspiegeln; und seiner väterlichen Fürsorge zu vertrauen, in welche Situationen er uns auch immer führen mag.
Gott gebot dem Volk Israel, Gott, den HERRN, mit unverbrüchlicher Treue zu lieben. So gilt auch für uns: Den Herrn Jesus Christus zu lieben heißt, unerschütterlich daran festzuhalten, dass er allein Retter, Herr und Gott ist. Die Bibel lehrt, dass Jesus ebenso hoheitlich handelt, wie Gott allein es tut. Christus ist Schöpfer des Universums, Lenker der Geschichte, Richter aller Nationen und Retter aller, die sich Gott zuwenden.[14] In der göttlichen Ebenbürtigkeit und Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist hat er Teilhabe an der Identität des Vaters. So wie Gott das Volk Israel aufgerufen hat zur Liebe im Glauben, Gehorsam und Zeugnis des Bundes, bekräftigen wir unsere Liebe zu Jesus Christus, indem wir ihm vertrauen, ihm gehorchen und ihn bekannt machen.
a) Wir trauen auf Christus. Wir glauben dem Zeugnis der Evangelien, dass Jesus von Nazareth der Messias ist, von Gott bestimmt und gesandt, um den einzigartigen Auftrag des alttestamentlichen Volkes Israel zu erfüllen: allen Nationen den Segen der Erlösung zu bringen, so wie Gott es Abraham verheißen hat.
b) Wir gehorchen Christus. Jesus hat uns zur Jüngerschaft berufen, dazu, unser Kreuz auf uns zu nehmen und ihm nachzufolgen auf dem Weg von Selbstverleugnung, Dienst und Gehorsam. “Wenn ihr mich liebt, dann haltet meine Gebote”, sagte er. “Was nennt ihr mich Herr, Herr und tut nicht, was ich sage?” Wir sind aufgerufen, zu leben und zu lieben, wie Christus gelebt und geliebt hat. Wer Christus bekennt, dabei aber seine Gebote missachtet, erliegt einer gefährlichen Täuschung. Jesus warnt davor, dass viele, die durch spektakuläre und wundersame Werke seinen Namen anrufen, von ihm abgelehnt und als Übeltäter bezeichnet werden. [15] Wir nehmen Christi Warnung ernst, denn keiner von uns ist gefeit gegen diese furchtbare Gefahr.
c) Wir verkündigen Christus. In Christus allein hat Gott sich ganz und endgültig offenbart, und durch Christus allein hat Gott Rettung für die Welt erreicht. Daher knien wir als Jünger zu den Füßen Jesu von Nazareth und sagen mit den Worten des Petrus: “Du bist Christus, Sohn des lebendigen Gottes” und mit den Worten des Thomas: “Mein Herr und mein Gott”. Wir haben ihn nicht gesehen, aber wir lieben ihn dennoch. Und wir sind fröhlich in der Hoffnung und warten voll Sehnsucht auf den Tag seiner Wiederkunft, wenn wir ihn sehen werden, wie er ist. Bis dahin tun wir es Petrus und Johannes nach, die verkündeten: “Es ist in keinem anderen das Heil, denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir errettet werden müssen.” [16]
Wir verpflichten uns neu, Jesus Christus und all seine Lehren in der ganzen Welt zu bezeugen, in dem Wissen, dass dies Zeugnis nur möglich wird, wenn wir selbst seinen Lehren gehorchen.
Wir lieben den Heiligen Geist in der Einheit der Dreieinigkeit mit Gott, dem Vater, der ihn sendet und mit Jesus Christus, dem er Zeugnis gibt. Er ist der missionarische Geist des missionarischen Vaters und des missionarischen Sohnes, der Gottes missionarischer Gemeinde Leben und Kraft einhaucht. Wir lieben und erbitten die Gegenwart des Heiligen Geistes, weil ohne sein Zeugnis gegenüber Christus unser Zeugnis sinnlos ist. Ohne das aufrüttelnde Werk des Geistes ist unsere Predigt vergeblich. Ohne die Kraft des Geistes, ist unsere Mission bloßes menschliches Bemühen. Und ohne die Frucht des Geistes, kann unser unansehnliches Leben die Schönheit des Evangeliums nicht widerspiegeln.
a) Im Alten Testament sehen wir das aktive Handeln des Geistes Gottes in der Schöpfung, in Werken der Befreiung und Gerechtigkeit und in der Erfüllung und Bevollmächtigung von Menschen für alle Arten des Dienstes. Geisterfüllte Propheten freuten sich auf den kommenden König und Diener, dessen Sein und Wirken vom Geist Gottes gelenkt sein würden, und auf die kommende Zeit, die geprägt sein würde vom Ausgießen seines Geistes und damit von neuem Leben und neuem Gehorsam für das Volk Gottes.[17]
b) Zu Pfingsten hat Gott seinen Heiligen Geist ausgegossen gemäß der Verheißung durch Jesus und die Propheten. Der heiligende Geist bringt Früchte hervor im Leben der Gläubigen, und die erste Frucht ist immer Liebe. Der Geist erfüllt die Gemeinde mit seinen Gaben und mit Kraft – einzusetzen für Mission und den vielfältigen Dienst. Der Geist befähigt uns, das Evangelium zu verkünden und vorzuleben, die Wahrheit zu erkennen, wirksam zu beten und über die Mächte der Finsternis zu triumphieren. Der Geist stärkt und tröstet Jünger, die wegen ihres Zeugnisses für Christus verfolgt oder vor Gericht gestellt werden.[18]
c) Ohne die Gegenwart und Kraft des Heiligen Geistes ist also unser Einsatz für Mission sinnlos und ineffektiv. Das gilt für Mission in jeglicher Hinsicht: Evangelisation, Bezeugen der Wahrheit, konkret gelebte Nachfolge, Friedensbemühungen, soziales Engagement, ethische Veränderung, Bewahrung der Schöpfung, Überwindung böser Mächte, Austreibung von Dämonen, Krankenheilung, Leiden unter und Ertragen von Verfolgung. Was auch immer wir im Namen Christi tun braucht die Bevollmächtigung durch den Heiligen Geist. Das Neue Testament macht das deutlich am Leben der Urgemeinde und den Lehren der Apostel. Heute zeigt es sich im geistlichen und zahlenmäßigen Wachstum von Gemeinden, in denen Jesu Nachfolger vertrauensvoll in der Kraft des Heiligen Geistes handeln – in Abhängigkeit und Erwartung.
Ohne die Person, das Wirken und die Kraft des Heiligen Geistes gibt es kein wahres oder ganzes Evangelium und keine authentische biblische Mission. Wir beten dafür, dass diese biblische Wahrheit wieder verstärkt wahrgenommen und in allen Teilen des weltweiten Leibes Christi als Realität erfahren wird. Wir sind uns jedoch des vielfältigen Missbrauchs bewusst, der unter und in dem Namen des Heiligen Geistes getrieben wird, der vielen unterschiedlichen (und bereits im Neuen Testament beschriebenen) Erscheinungsformen, die praktiziert und gepriesen werden und die Kennzeichen anderer Geister sind, nicht des Heiligen Geistes. Dringend nötig sind tiefere Erkenntnis, deutliche Warnung vor Irrglauben und die Entlarvung betrügerischer und eigennütziger Manipulatoren, die geistliche Macht für die eigene, unchristliche Bereicherung missbrauchen. Nötig sind vor allem aber auch fundierte biblische Lehre und Predigt auf der Grundlage demütigen Gebets, die den normalen Gläubigen so zurüsten, dass er das wahre Evangelium verstehen, sich daran erfreuen und falsche Evangelien erkennen und zurückweisen kann.
Wir lieben Gottes Wort in den Schriften des Alten und Neuen Testaments und stimmen mit ein in das freudige Entzücken des Psalmisten in der Thora : “Darum liebe ich deine Gebote mehr als Gold ... wie liebe ich dein Gesetz.” Wir empfangen die ganze Bibel als Wort Gottes, inspiriert durch Gottes Geist, geredet und aufgeschrieben von menschlichen Verfassern. Wir unterwerfen uns ihm als höchste und einzige Autorität, das unsere Glaubensüberzeugungen und unser Verhalten lenkt und leitet. Wir bezeugen, dass das Wort Gottes Kraft hat, das Ziel der Erlösung zu erreichen. Wir bestätigen die Bibel als letztgültiges, geschriebenes Wort Gottes, über dem keine weitere Offenbarung steht, aber wir freuen uns auch daran, dass der Heilige Geist Sinn und Verstand von Gottes Volk erleuchtet, so dass die Bibel auf neue Art und Weise weiterhin Menschen in jeder Kultur Gottes Wahrheit verkündet. [19]
a) Die Person, die die Bibel offenbart. Wir lieben die Bibel wie eine Braut die Briefe ihres Bräutigams liebt: Sie liebt nicht das Papier, auf dem sie geschrieben sind, sondern die Person, die durch die Briefe spricht. In der Bibel offenbart Gott selbst seine Identität, sein Wesen, seine Ziele und sein Handeln. Sie ist wichtigstes Zeugnis des Herrn Jesus Christus. Mit großer Freude begegnen wir ihm beim Lesen der Bibel durch seinen Geist. Unsere Liebe zur Bibel ist Ausdruck unserer Liebe zu Gott.
b) Die Geschichte, die die Bibel erzählt. Die Bibel erzählt die umfassende Geschichte von Schöpfung, Sündenfall und Erlösung in Geschichte und der neuen Schöpfung. Diese übergreifende Erzählung ist Grundlage für unser schlüssiges biblisches Weltbild und formt unsere Theologie. Im Zentrum dieser Geschichte stehen als Höhepunkte die Geschehnisse um Tod und Auferstehung Christi, die Erlösungstaten, die das Herz des Evangeliums bilden. Es ist diese Geschichte (im Alten wie im Neuen Testament), die uns sagt, wer wir sind, warum wir hier sind und wo wir hingehen. Diese Geschichte der Mission Gottes ist Definition unserer Identität, Antrieb für unsere Mission und Zusicherung, dass das Ende in Gottes Hand liegt. Diese Geschichte muss – bei ihrer Weitergabe von Generation zu Generation - die Erinnerung und die Hoffnung des Volkes Gottes formen und den Inhalt seines evangelistischen Zeugnisses bestimmen. Wir müssen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Bibel bekannt machen, denn ihre Botschaft gilt allen Menschen auf der Erde. Daher verpflichten wir uns neu der fortdauernden Aufgabe, die Heilige Schrift in jede Kultur und Sprache zu übersetzen, zu verteilen und zu lehren, auch in jenen, die oral geprägt oder ohne Schriftsprache sind.
c) Die Wahrheit, die die Bibel lehrt. Die Bibel lehrt uns umfassend den ganzen Ratschluss Gottes, die Wahrheit, die Gott uns mitteilen möchte. Wir nehmen sie in allen Aussagen als wahr und verlässlich an, denn sie ist das Wort des Gottes, der nicht lügen kann und nicht versäumen wird. Sie offenbart klar und hinreichend den Weg der Erlösung. Sie ist Grundlage zur Erforschung und zum Verstehen aller Dimensionen göttlicher Wahrheit.
Wir leben jedoch in einer Welt, in der die Lüge vorherrscht und die Wahrheit abgelehnt wird. Viele Kulturen legen einen dominanten Relativismus an den Tag, der leugnet, dass eine absolute Wahrheit existiert bzw. überhaupt erkannt werden kann. Wenn wir die Bibel lieben, müssen wir aufstehen und verteidigen, was sie über die Wahrheit sagt. Wir müssen neue Wege finden, biblischer Autorität in allen Kulturen Sprache und Gehör zu verschaffen. Wir verpflichten uns neu, für die Wahrheit der Offenbarung Gottes zu kämpfen - als Teil unseres Liebesdienstes für Gottes Wort.
d) Das Leben, das die Bibel fordert. “... ganz nahe ist dir das Wort, in deinem Mund und in deinem Herzen, um es zu tun.” Jesus und Jakobus rufen uns auf, Täter des Wortes zu sein und nicht nur Hörer.[20] Die Bibel zeigt eine Lebensqualität auf, die für den einzelnen Christen und die christliche Gemeinschaft kennzeichnend sein sollte. Angefangen bei Abraham über Mose, die Psalmisten, Propheten und die Weisheit Israels bis hin zu Jesus und den Aposteln wird deutlich, dass zu einem biblischen Lebensstil auch Gerechtigkeit gehört, Mitgefühl, Demut, Integrität, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, sexuelle Keuschheit, Großzügigkeit, Freundlichkeit, Selbstverleugnung, Gastfreundschaft, Bemühung um Frieden, Verzicht auf Rache, Tun des Guten, Vergebung, Freude, Zufriedenheit und Liebe – als konkrete Auswirkungen in einem Leben, das Gott lobt und preist und ihm in Treue nachfolgt.
Wir bekennen, dass wir leichtfertig behaupten die Bibel zu lieben, ohne aber das Leben zu lieben, das sie lehrt – das Leben eines kostspieligen, praktischen Gehorsams gegenüber Gott durch Christus. “Nichts spricht deutlicher für das Evangelium als ein erneuertes Leben.
Nichts bringt es mehr in Verruf, als wenn unser persönliches Leben dazu in Widerspruch steht.”
Wir sind dazu aufgerufen, unser Leben auf eine Weise zu führen, die des Evangeliums Christi würdig ist, ja wir sollen es sogar „schmücken“, indem wir seine Schönheit durch ein heiliges Leben noch erhöhen.” [21] Um des Evangeliums Christi willen verpflichten wir uns daher neu, unsere Liebe zu Gottes Wort dadurch zu beweisen, dass wir es glauben und ihm gehorchen. Ohne ein an biblischen Maßstäben ausgerichtetes Leben ist biblische Mission nicht möglich.
Wir teilen Gottes Leidenschaft für seine Welt. Wir lieben alles, was er geschaffen hat, freuen uns über Gottes Vorsehung und Gerechtigkeit, die sich durch seine Schöpfung ziehen, verkündigen die Gute Nachricht aller Kreatur und allen Nationen und sehnen den Tag herbei, an dem die Erde erfüllt sein wird von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, so wie das Wasser die Meere erfüllt.[22]
a) Wir lieben die Welt der Schöpfung Gottes. Diese Liebe ist nicht bloße sentimentale Zuneigung zur Natur (die die Bibel an keiner Stelle fordert) und auch nicht ihre pantheistische Verehrung (die die Bibel ausdrücklich verbietet). Vielmehr ist sie logische Folge unserer Liebe zu Gott, indem wir das hegen und pflegen, was zu ihm gehört. “Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist.” Die Erde ist Eigentum des Gottes, von dem wir behaupten, ihm in Liebe und Gehorsam verbunden zu sein. Wir hegen und pflegen die Erde, schlicht und ergreifend aus dem Grund, dass sie dem einen gehört, den wir "Herr” nennen..[23]
Christus hat die Erde erschaffen, erhalten und erlöst.[24] Wir können nicht behaupten Gott zu lieben und gleichzeitig das Eigentum Christi missbrauchen, das ihm durch Schöpfung, Erlösung und Erbe rechtmäßig zusteht. Wir hegen und pflegen die Erde, nicht gemäß der Erkenntnis der säkularen Welt, sondern um des Herrn willen. Wenn Jesus Herr der ganzen Erde ist, kann es keine Trennung geben zwischen unserer Beziehung zu Christus und unserem Handeln für die Erde. Die Verkündigung des Evangeliums, das sagt “Jesus ist Herr” schließt also die Erde mit ein, denn Christus herrscht über die gesamte Schöpfung. Pflege und Bewahrung der Schöpfung ist daher in der Herrschaft Christi integraler Teil des Evangeliums.
Solche Liebe für Gottes Schöpfung erfordert, dass wir Buße tun über unseren Anteil an der Zerstörung, Verschwendung und Verschmutzung der irdischen Ressourcen und über unsere stillschweigende Duldung des seine schädliche Wirkung entfaltenden Götzen Konsumismus. Stattdessen verpflichten wir uns zu einer dringlichen und prophetischen ökologischen Verantwortung und zur Unterstützung jener Christen, die im Eintreten und aktiven Handeln für die Umwelt ihre besondere missionale Berufung erlebt haben. Wir erinnern uns daran, dass die Bibel von Gottes Erlösunsziel für die Schöpfung selbst spricht. Integrale Mission heißt, die biblische Wahrheit erkennen, verkünden und leben, nach der das Evangelium Gottes gute Nachricht ist, in die Welt gekommen durch Kreuz und Auferstehung Jesu Christi, gerichtet an Einzelne und die Gesellschaft und die Schöpfung. Alle drei quält der Zerbruch und das Leid durch die Sünde; alle drei sind mit eingeschlossen in die erlösende Liebe und Zielsetzung Gottes; alle drei müssen Teil der umfassenden Mission von Gottes Volk sein.
b) Wir lieben die Welt der Nationen und Kulturen. “Und er [Gott] hat aus Einem jede Nation der Menschen gemacht, dass sie auf dem ganzen Erboden wohnen ...”. Ethnische Vielfalt ist Gottes Geschenk in der Schöpfung, und sie wird in der neuen Schöpfung bewahrt werden, befreit von unseren sündhaften Spaltungen und Rivalitäten. Unsere Liebe zu allen Völkern ist Spiegel von Gottes Verheißung, alle Nationen der Erde zu segnen und von Gottes Ziel, sich selbst ein Volk zu schaffen aus Menschen jedes Stammes und Volkes, jeder Sprache und Nation. Wir müssen lieben, was Gott sich entschieden hat zu segnen, und das schließt alle Kulturen mit ein. Historisch gesehen ist christliche Mission maßgeblich beteiligt gewesen am Schutz und Erhalt einheimischer Kulturen und ihrer Sprachen. Göttliche Liebe schließt jedoch auch kritisches Urteilsvermögen mit ein, denn in jeder Kultur gibt es nicht nur positive Belege für das Ebenbild Gottes in den Menschen, sondern auch negative Auswirkungen durch Satan und Sünde. Wir sehnen uns danach, das Evangelium in allen Kulturen konkret gelebt und verankert zu sehen, damit sie von innen heraus erlöst werden und sich die Herrlichkeit Gottes sowie die strahlende Fülle Christi zeigt. Wir freuen uns darauf, wenn alle Kulturen ihren Reichtum, ihre Herrlichkeit und ihre Pracht in die Stadt Gottes bringen – erlöst und gereinigt von aller Sünde, eine Bereicherung für die neue Schöpfung.[25]
Solche Liebe für alle Völker erfordert, dass wir dem Übel von Rassismus und Ethnozentrisumus eine Absage erteilen und jede ethnische und kulturelle Gruppe mit Würde und Respekt behandeln, weil sie in Schöpfung und Erlösung für Gott wertvoll sind.[26]
Solche Liebe erfordert ebenso, dass wir uns bemühen, jedem Volk und jeder Kultur an jedem Ort das Evangelium bekannt zu machen. Keine Nation, Juden oder Heiden, ist vom Missionsbefehl ausgeschlossen. Evangelisation heißt: Herzen fließen über, die angefüllt sind mit der Liebe Gottes zu jenen, die ihn noch nicht kennen. Wir bekennen voll Scham, dass es auf der Welt immer noch sehr viele Völker gibt, die die Botschaft von Gottes Liebe in Jesus Christus noch nie gehört haben. Wir erneuern die Verpflichtung, die die Lausanner Bewegung von Anfang an inspiriert hat – alle verfügbaren Mittel zu nutzen, um alle Völker mit dem Evangelium zu erreichen.
c) Wir lieben die Armen und Leidenden der Welt. Die Bibel sagt uns, dass Gott alles liebt, was er geschaffen hat, die Sache des Unterdrückten unterstützt, den Fremden liebt, den Hungrigen speist, Waisen und Witwen versorgt.[27] Die Bibel zeigt auch, dass Gott diese Dinge durch Menschen tun möchte, die sich zu solchem Handeln verpflichtet sehen. Gott macht besonders jene verantwortlich, die in der Gesellschaft politische oder juristische Führungspositionen einnehmen,[28] aber durch das Gesetz und die Propheten, die Psalmen und die Weisheit, Jesus und Paulus, Jakobus und Johannes ist das ganze Volk Gottes gefordert, Liebe und Gerechtigkeit Gottes dadurch konkret werden zu lassen, dass an Bedürftigen praktische Liebe und Gerechtigkeit geübt werden.[29]
Solche Liebe zu den Armen erfordert, dass wir nicht nur Gnade und Taten der Barmherzigkeit lieben, sondern Gerechtigkeit üben, indem wir all das aufdecken und bekämpfen, was die Armen unterdrückt und ausbeutet. “Wir sollen uns nicht scheuen, Bosheit und Ungerechtigkeit anzuprangern, wo immer sie existieren.”[30] Wir bekennen voll Scham, dass wir in dieser Hinsicht versagt haben: Wir haben Gottes Leidenschaft nicht geteilt, Gottes Liebe nicht konkret gelebt, Gottes Wesen nicht widergespiegelt und Gottes Willen nicht getan. Wir verpflichten uns neu zur Förderung von Gerechtigkeit, zu der wir auch Solidarität und Fürsprache im Namen von Randgruppen und Unterdrückten zählen. Wir erkennen diesen Kampf gegen das Böse als eine Dimension geistlicher Kampfführung, die nur durch den Sieg von Kreuz und Auferstehung, in der Kraft des Heiligen Geistes und durch unablässiges Gebet gewonnen werden kann.
d) Wir lieben unsere Nächsten wie uns selbst. Jesus rief seine Jünger auf, dieses Gebot als das zweitwichtigste im Gesetz zu befolgen, aber dann verlieh er der Forderung “Liebt den Fremden” (aus demselben Kapitel) eine radikale Tiefe durch die Worte: “Liebt eure Feinde”. [31]
Solche Liebe zum Nächsten erfordert, dass wir allen Menschen aus dem Kernstück des Evangeliums heraus begegnen, in Gehorsam gegenüber dem Gebot Christi und im Nachahmen seines Beispiels. Solche Nächstenliebe schließt Angehörige anderer Glaubensrichtungen mit ein und gilt auch denen, die uns hassen, verleumden und verfolgen – ja, sogar denen, die uns töten. Jesus lehrte uns, auf Lügen mit Wahrheit zu reagieren, diejenigen freundlich, barmherzig und vergebend zu behandeln, die uns Böses tun und Gewalt und Mord an seinen Jüngern mit Selbstaufopferung zu begegnen, um Menschen zu ihm zu ziehen und die Kette des Bösen zu unterbrechen. Bei der Verbreitung des Evangeliums weisen wir Gewalt entschieden zurück und sagen uns los von der Versuchung, Vergeltung und Rache zu üben an jenen, die uns Unrecht tun. Solch Ungehorsam ist unvereinbar mit dem, was Christus im Neuen Testament vorgelebt und gelehrt hat. [32] Gleichzeitig macht die Pflicht, unseren leidenden Nächsten zu lieben, es erforderlich, in ihrem Namen Gerechtigkeit zu suchen durch angemessene Anrufung der Justiz- und Staatsbehörden, die bei der Bestrafung von Missetätern als Gottes Diener agieren.[33]
e) Die Welt lieben wir nicht. Die Welt von Gottes guter Schöpfung ist eine Welt der menschlichen und satanischen Auflehnung gegen Gott geworden. Wir sind aufgerufen, diese Welt von sündigem Begehren, Habgier und menschlichem Stolz nicht zu lieben. Wir bekennen voll Trauer, dass sich so häufig genau diese Kennzeichen der Weltlichkeit nachteilig auf unser christliches Auftreten auswirken und unser Zeugnis des Evangeliums Lügen strafen.[34]
Wir verpflichten uns neu, nicht mit der sündigen und gefallenen Welt und ihren vergänglichen Leidenschaften zu kokettieren, sondern die ganze Welt so zu lieben, wie Gott sie liebt. Daher lieben wir die Welt und empfinden darin ein heiliges Sehnen nach Erlösung und Erneuerung der gesamten Schöpfung und aller Kulturen in Christus, nach Sammlung des Volkes Gottes aus allen Nationen bis an die Enden der Erde und nach der Beendigung aller Zerstörung, Armut und Feinschaft.
Als Jünger Jesu sind wir Menschen des Evangeliums. Kern unserer Identität ist unsere Leidenschaft für die biblische gute Nachricht vom Erlösungswerk Gottes durch Jesus Christus. Wir sind vereinigt durch das Erleben der Gnade Gottes im Evangelium und durch unsere Motivation, dieses Evangelium der Gnade mit allen verfügbaren Mitteln bis an die Enden der Erde bekannt zu machen.
a) Wir lieben die gute Nachricht in einer Welt der schlechten Nachrichten. Das Evangelium spricht die schwerwiegenden Auswirkungen von menschlicher Sünde und Not und menschlichem Versagen an. Menschen haben sich gegen Gott aufgelehnt, Gottes Autorität abgelehnt und Gottes Wort missachtet. Dieser sündhafte Zustand hat zur Folge, dass wir uns von Gott, voneinander und von der geschaffenen Ordnung entfremden. Sünde verdient Verdammung durch Gott. Diejenigen, die die Buße verweigern und “dem Evangelium unseres Herrn Jesus nicht gehorchen, sie werden Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke ....”[35] Die Auswirkungen der Sünde und die Macht des Bösen haben sämtliche Bereiche des Menschseins verdorben (geistlich, physisch, intellektuell und beziehungsmäßig). Sie haben in allen Kulturen und allen Generationen der Geschichte das kulturelle, wirtschaftliche, soziale, politische und religiöse Leben durchdrungen. Sie haben der menschlichen Rasse unabsehbares Elend und Gottes Schöpfung unermesslichen Schaden zugefügt. Angesichts dieser trostlosen Tatsachen ist das biblische Evangelium in der Tat eine sehr gute Nachricht.
b) Wir lieben die Geschichte, die das Evangelium erzählt. Das Evangelium verkündigt die historischen Ereignisse um das Leben, Sterben und Auferstehung des Jesus von Nazareth als gute Nachricht. Als Sohn Davids, der versprochene Messias, ist Jesus der, durch den allein Gott sein Reich errichtete und die Errettung der Welt herbeiführte. Dadurch ermöglicht er jeder Nation auf Erden, Segen zu empfangen – so wie er es Abraham verheißen hat. Paulus definiert das Evangelium durch die Aussage, dass “Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften, und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften, und dass er ... erschienen ist, ... den Zwölfen.” Das Evangelium verkündet, dass am Kreuz Christi Gott selbst die Strafe für unsere Sünde auf sich nahm – in der Person seines Sohnes und an unserer statt. In demselben großartigen Rettungsakt errang Gott den entscheidenden Sieg über Satan, Tod und alle bösen Mächte, befreite uns aus ihrer Macht und Furcht und sorgte für ihre endgültige Vernichtung. Er erreichte damit die Versöhnung der Gläubigen mit Gott und miteinander, über alle Grenzen und Feinseligkeiten hinweg. Durch das Kreuz hat Gott auch sein Ziel der endgültigen Versöhnung der gesamten Schöpfung erreicht, und mit der körperlichen Auferstehung Jesu hat er uns die Erstlingsfrucht der neuen Schöpfung zum Geschenk gemacht. Gott hat in Christus “die Welt mit sich selbst versöhnt.” [36] Wie lieben wir die Geschichte des Evangeliums!
c) Wir lieben die Zusage, die das Evangelium macht. Nur durch das alleinige Vertrauen auf Christus sind wir durch den Heiligen Geist mit ihm vereint und können als in Christus Gerechte vor Gott stehen. Die Rechtfertigung aus Glauben bringt uns Frieden mit Gott. Wir sind nicht länger der Verdammnis unterworfen. Wir empfangen Vergebung unserer Sünden. Wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung, indem wir Anteil haben am Leben des Auferstandenen. Mit Christus sind wir als Miterben angenommen. Wir werden Bürger von Gottes Bundesvolk, Mitglieder von Gottes Familie und der Ort, an dem Gott wohnt. Wenn wir auf Christus vertrauen, wird uns Erlösung und ewiges Leben versprochen, denn unsere Erlösung hängt letzten Endes nicht von uns selbst ab, sondern vom Werk Christi und der Verheißung Gottes. Nichts “wird uns scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.”[37] Wie lieben wir die Verheißung des Evangeliums!
d) Wir lieben die Veränderung,die das Evangelium bewirkt. Das Evangelium ist Gottes lebensverändernde Kraft, mit der er in der Welt wirkt, “ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden.”[38] Allein durch Glauben werden die Segnungen und die Zusage des Evangeliums empfangen. Rettender Glaube bleibt jedoch nie allein, sondern mündet zwangsläufig in Gehorsam. Christlicher Gehorsam ist “der durch Liebe wirksame Glaube.”[39] Wir werden nicht durch gute Werke gerettet, sondern dadurch, dass wir allein aus Gnade gerettet sind, sind wir “in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken.”[40] “So ist auch der Glaube, wenn er keine guten Werke hat, in sich selbst tot.”[41] Paulus sah die durch das Evangelium bewirkte ethische Veränderung als Werk der Gnade Gottes – der Gnade, die bei Jesu erstem Kommen unsere Erlösung ermöglichte, und die uns angesichts seines zweiten Kommens zu einer ethischen Lebensführung anleitet. [42] Für Paulus hieß “dem Evangelium gehorsam” sein, auf die Gnade und auf die Anleitung durch die Gnade vertrauen.[43] Paulus wollte als missionales Ziel “Glaubensgehorsam” zu allen Nationen bringen.[44] Diese sich stark an den Bundesschluss anlehnende Sprache weckt Erinnerungen an Abraham. Abraham glaubte Gottes Verheißung, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Dann gehorchte er Gottes Gebot, indem er seinen Glauben auch lebte. “Durch Glauben war Abraham ... gehorsam.”[45] Buße und Glaube an Jesus Christus sind die ersten Akte des Gehorsams, die das Evangelium fordert; anhaltender Gehorsam gegenüber Gottes Geboten ist der Lebensstil, zu dem dieser Glaube befähigt – durch die Heiligung des Heiligen Geistes.[46] Gehorsam ist daher der lebendige Beweis für einen rettenden Glauben und dessen lebendige Frucht. Gehorsam ist aber auch die Bewährungsprobe für unsere Liebe zu Jesus.”Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.”[47] “Und hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote halten.”[48] Wie lieben wir die Kraft des Evangeliums!
Das Volk Gottes sind Menschen aus allen Zeitaltern und allen Nationen, die Gott in Christus geliebt, erwählt, berufen, errettet und geheiligt hat als ein Volk seines Eigentums, damit sie - als Bürger der neuen Schöpfung - teilhaben an der Herrlichkeit Christi. Als die, die Gott von Ewigkeit her und durch die turbulente und rebellische Geschichte der Menschen hindurch geliebt hat, ist uns daher geboten, einander ebenfalls zu lieben. Denn “wenn Gott uns so geliebt hat, sind auch wir schuldig, einander zu lieben,” und so “Nachahmer Gottes” zu sein und in Liebe zu wandeln “wie auch ... Christus euch geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat ...” In der Familie Gottes ist Liebe zueinander nicht lediglich eine wünschenswerte Option, sondern ein unausweichliches Gebot. Solche Liebe ist der vorrangige Beweis für Gehorsam gegenüber dem Evangelium und ein wirksamer Antrieb für Weltmission. [49]
a) Liebe ruft nach Einheit. Das an seine Jünger gerichtete Gebot Jesu, einander zu lieben, hängt zusammen mit seinem Gebet für ihre Einheit untereinander. Sowohl das Gebot als auch das Gebet sind missional -“damit die Welt erkennt, dass ihr meine Jünger seid” und dass “die Welt glaube, dass du [der Vater] mich gesandt hast”.[50] Eines der überzeugendsten Kennzeichen für die Wahrheit des Evangeliums ist die Liebe der Christen untereinander, die sie über Grenzen hartnäckig bestehender Spaltungen der Welt hinweg vereint – Grenzen bezüglich Rasse, Hautfarbe, sozialer Gesellschaftsschicht, wirtschaftlicher Privilegien oder politischer Angepasstheit. Aber nur wenig beeinträchtigt unser Zeugnis mehr, als wenn Christen ebendiese Spaltungen auch untereinander spiegeln und verstärken.
Wir bekennen, dass wir nicht alles uns Trennende beiseitegelegt haben. Unter anderem sind wir tief besorgt über die ungeheuerlichen Extreme materieller Ungleichheit innerhalb des weltweiten Leibes Christi. Diese Ungleichheit steht dem entgegen, was Paulus als Anweisung und Zielsetzung hinterlassen hat: gegenseitige Unterstützung und Beseitigung des Mangels für alle.[51] Wir verdammen Konkurrenzdenken und Rivalität, die manchmal sogar unseren Missionseifer vergiften. Wir verurteilen die Unausgewogenheit verfügbarer Mittel für Mission in unterschiedlichen Teilen der weltweiten Gemeinde. Wir suchen dringend nach einem neuen globalen Gleichgewicht, das sich gründet auf eine tiefe gegenseitige Liebe und demütige Partnerschaft innerhalb des Leibes Christi auf allen Kontinenten. Und dies nicht nur, um unsere Liebe zueinander durch aktives Handeln konkret werden zu lassen, sondern um des Namens Christi und Gottes Ziel für die ganze Welt willen.
b) Liebe ruft nach Ehrlichkeit. Liebe spricht die Wahrheit in Gnade. Niemand liebte das Volk Gottes mehr als die Propheten in Israel und Jesus selbst. Aber niemand hat es auch ehrlicher mit der Wahrheit seines Versagens konfrontiert, mit Götzendienst und Auflehnung gegen den Herrn des Bundesschlusses. Dadurch haben sie das Volk Gottes zur Buße gerufen, damit Vergebung möglich wurde und das Volk den Dienst für Gottes Auftrag wieder aufnehmen konnte. Dieselbe Stimme prophetischer Liebe muss auch heute gehört werden – aus demselben Grund .
Diese liebevolle Ehrlichkeit fleht darum, dass wir in Buße zurückfinden zu den göttlichen Wegen von Demut, Integrität und einer Einfachheit, die auch das Opfer nicht scheut. Wir müssen dem Götzendienst von Arroganz, manipuliertem Erfolg und konsumorientierter Habgier abschwören, der uns und unsere Leiter so häufig verführt. Unsere Liebe zur Gemeinde Gottes leidet an schmerzhafter Trauer über die unter uns bestehende Hässlichkeit, die das Antlitz unseres geliebten Herrn Jesus Christus entstellt und seine Schönheit vor der Welt verbirgt – der Welt, die so dringend zu ihm finden müsste.
c) Liebe ruft nach Solidarität. Einander zu lieben heißt auch, sich besonders um jene zu kümmern, die aufgrund ihres Glaubens und ihres Zeugnisses verfolgt und inhaftiert werden. Wenn ein Glied des Leibes leidet, leiden alle anderen mit. Wir alle sind, wie Johannes, “Mitgenossen in der Drangsal und dem Königtum und dem [geduldigen] Ausharren in Jesus”.[52]
Wir bekennen, dass wir diese liebevolle Solidarität mit unseren verfolgten Schwestern und Brüdern nicht immer gezeigt haben und mehr um unsere eigene Sicherheit besorgt waren. Wir verpflichten uns, Anteil zu nehmen am Leiden der Mitglieder des Leibes Christi in der Welt durch Information, Gebet, Fürsprache und andere Möglichkeiten der Unterstützung. Wir sehen solche Anteilnahme jedoch nicht nur als Ausdruck von Mitleid. Wir wollen auch lernen, was die leidende Gemeinde jene Glieder am Leib Christi lehren kann, die nicht auf diese Art und Weise leiden. Wir werden gewarnt, dass die Gemeinde, die sich – wie Laodicea - in Wohlstand und Selbstzufriedenheit eingerichtet hat, die Gemeinde ist, die Jesus für blind hält gegenüber ihrer eigenen Armut und bei der er sich fühlt wie ein Fremder, den man vor der Tür stehen lässt.[53]
Jesus ruft seine Jünger zusammen, damit sie eine Familie unter den Nationen seien, eine versöhnte Gemeinschaft, in der sündhafte Grenzen durch seine versöhnende Gnade niedergerissen werden. Diese Gemeinde ist eine Gemeinschaft der Gnade, des Gehorsams und der Liebe in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, in der die herrlichen Eigenschaften Gottes und die gnadenreichen Wesensmerkmale Christi widergespiegelt werden und Gottes vielgestaltige Weisheit zum Tragen kommt. Gemeinde als Gemeinschaft der Versöhnten, die nicht länger für sich selbst leben, sondern für den Retter, der sie liebte und sich für sie dahingab – das ist der anschaulichste Ausdruck für das, was Reich Gottes bedeutet.
Wir sind der Weltmission verpflichtet, weil sie für unser Verständnis von Gott, der Bibel, der Gemeinde, der Geschichte der Menschheit und der Zukunft von zentraler Bedeutung ist. Die Bibel offenbart umfassend Gottes Ziel mit der Welt: Alle Dinge im Himmel und auf Erden sollen unter Christus vereint werden, versöhnt durch sein Blut am Kreuz. Im Erreichen dieses Zieles wird Gott die unter der Sünde und dem Bösen zerbrochene Schöpfung in die neue Schöpfung verwandeln, in der keine Sünde und keine Verdammnis mehr sein werden. Gott wird die Verheißung erfüllen, die er Abraham gegeben hat, dass alle Nationen der Erde gesegnet werden durch das Evangelium von Jesus, dem Messias, dem Samen Abrahams. Gott wird die zerrissene Welt der Nationen, die unter dem Gericht Gottes zerstreut waren, in die neue Menschheit verwandeln – aus jedem Stamm, jeder Nation, Zunge und Sprache. Sie wird erlöst sein durch das Blut Christi und wird gesammelt, um unseren Gott und Retter anzubeten. Wenn Christus wiederkommt, um sein ewiges Reich zu errichten, in dem Leben, Gerechtigkeit und Frieden herrschen werden, wird Gott die Herrschaft von Tod, Verderben und Gewalt beenden. Dann wird Gott, der Immanuel, bei uns wohnen, und das Königreich der Welt wird zum Königreich unseres Herrn und seines Christus werden, und er wird in alle Ewigkeit herrschen.[54]
a) Unsere Beteiligung an Gottes Zielsetzung. Gott beruft sein Volk zur Teilhabe an seinem großen Ziel. Durch den Messias Jesus steht die Gemeinde aus allen Nationen in einer Linie mit den von Gott Berufenen im Alten Testament. Zusammen mit ihnen sind wir durch Abraham berufen und beauftragt, den Nationen Segen und Licht zu sein. Zusammen mit ihnen sollen wir durch das Gesetz und die Propheten gelehrt und geformt werden zu einer Gemeinschaft, die in einer Welt der Sünde und des Leides für Heiligkeit, Mitgefühl und Gerechtigkeit steht. Durch das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi sind wir erlöst worden, durch den Heiligen Geist sind wir ermächtigt, Zeugnis zu geben von dem, was Gott in Christus getan hat. Die Gemeinde besteht, um Gott in alle Ewigkeit anzubeten und zu verherrlichen und teilzuhaben an dem auf Veränderung angelegten Auftrag und Ziel Gottes in der Geschichte. Unser Auftrag ergibt sich schlüssig und folgerichtig aus Gottes Zielsetzung, richtet sich an Gottes gesamte Schöpfung und hat seinen Dreh- und Angelpunkt im Erlösungssieg am Kreuz. Dies ist das Volk, zu dem wir gehören, dessen Glauben wir bekennen und dessen Berufung wir teilen.
b) Der Preis für unseren Auftrag. Jesus lehrte, dass der die größte Liebe hat, der sein Leben gibt für seine Freunde, und das lebte er vor.[55] Von sich selbst und seinen Jüngern sagte er: “Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.”[56] Wir werden in der überwiegenden Mehrheit nicht unser Leben geben müssen für unsere Liebe zu Christus, aber als Zeugen Christi ist Leid Teil unseres missionarischen Engagements, so wie bei den Aposteln und alttestamentlichen Propheten.[57] Leidensbereitschaft ist die Feuerprobe für die Echtheit unserer Mission. Gott kann Leid, Verfolgung und Martyrium benutzen, um sein Ziel voranzubringen. “Martyrium ist eine Form des Zeugnisses, die Christus in besonderer Weise zu ehren versprochen hat.”[58]
c) Die Integrität unseres Auftrags. All unser Einsatz für diesen Auftrag hat seinen Ursprung in dem, was Gott in Christus für die Errettung der ganzen Welt getan hat, so wie die Bibel es offenbart. Unsere evangelistische Aufgabe ist es, diese gute Nachricht allen Nationen bekannt zu machen. Der Kontext unseres Auftrags ist die Welt, in der wir leben, die Welt voll Sünde, Leid, Ungerechtigkeit und mit einer geschundenen Schöpfung, in die Gott uns sendet, damit wir sie – um Christi willen – lieben und ihr dienen. Unser Einsatz für Gottes Ziel mit dieser Welt muss daher beides beinhalten: Evangelisation und aktives Handeln in der Welt, die Legitimation und Antrieb finden in der ganzen biblischen Offenbarung des Evangeliums Gottes.
“Evangelisation ist ihrem Wesen nach die Verkündigung des historischen biblischen Christus als Heiland und Herrn. Ziel ist es, Menschen zu bewegen, zu Ihm persönlich zu kommen und so mit Gott versöhnt zu werden. ... Das Ergebnis der Evangelisation schließt Gehorsam gegenüber Jesus Christus, Eingliederung in Seine Gemeinde und verantwortlichen Dienst in der Welt ein ... bekräftigen wir, daß Evangelisation und soziale wie politische Betätigung gleichermaßen zu unserer Pflicht als Christen gehören. Denn beide sind notwendige Ausdrucksformen unserer Lehre von Gott und dem Menschen, unserer Liebe zum Nächsten und unserem Gehorsam gegenüber Jesus Christus ...Das Heil, das wir für uns beanspruchen, soll uns in unserer gesamten persönlichen und sozialen Verantwortung verändern. Glaube ohne Werke ist tot.”[59]
d) “"Integrale Mission ist die Verkündigung und praktische Umsetzung des Evangeliums. Dies bedeutet nicht einfach, dass Evangelisation und soziales Engagement parallel erfolgen sollten. Vielmehr hat unsere Verkündigung bei integraler Mission soziale Konsequenzen, weil wir Menschen zu Liebe und Umkehr in allen Lebensbereichen aufrufen. Ebenso hat unser soziales Engagement evangelistische Konsequenzen, da wir die umwandelnde Gnade Jesu Christi bezeugen. Die Welt zu ignorieren ist Verrat am Wort Gottes, das uns zum Dienst in der Welt beauftragt. Wenn wir das Wort Gottes ignorieren, haben wir der Welt nichts zu geben.”[60]
Wir verpflichten uns zur integralen und dynamischen Ausübung aller Dimensionen von Mission, zu denen Gott seine Gemeinde beruft.
Als Antwort auf Gottes grenzenlose, in Christus sichtbar gewordene Liebe zu uns und aus unserer überfließenden Liebe heraus wollen wir – mit Hilfe des Heiligen Geistes – Wunsch und Wollen neu darauf ausrichten, Gottes Geboten ganz zu gehorchen, mit selbstloser Demut, Freude und Mut. Wir erneuern diesen Bund mit dem Herrn, den wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.
Für die Welt, der wir dienen: Unsere Verpflichtung zum Handeln
TEIL ZWEI
Dieser zweite Teil der Kapstadt-Verpflichtung enthält spezifische Aufrufe und Resolutionen, die sich im Laufe des Kongresses und durch die Teilnehmer am GlobaLink ergeben haben.
Die vollständige zweiteilige Erklärung wird Ende November veröffentlicht werden. Als kostenloser Download steht sie auf den Websites der Lausanner Bewegung und der Weltweiten Evangelischen Allianz zur Verfügung: www.lausanne.org und www.worldevangelicals.org. Die endgültige Fassung kann als Ausdruck oder in digitaler Form von jeder Organisation oder Gemeinde verwendet werden, ohne dass dafür eine Genehmigung eingeholt werden müsste. Bitte achten Sie aber auf die Erwähnung des Copyrights: Lausanner Bewegung.
Zusätzlich wird die Verpflichtung Ende Januar 2011 in den Didasko-Dokumenten veröffentlicht werden, die Gemeinden zu Mengenrabattkonditionen erwerben können.
Unter www.lausanne.org/books finden Sie Informationen zu entsprechenden Buchhändlern. Unter www.didaskofiles.com kann das Format dieser Ausgabe und Hinweise zu Veröffentlichungsrechten eingesehen werden.
Kapstadt
Oktober 2010
Sinclair Ferguson (UK/USA) Chairman
Rose Dowsett (UK)
Ajith Fernando (Sri Lanka)
Atef Gendy (Egypt)
Manfred Grellert (Brazil)
Peter Kuzmic (Croatia/USA)
Archbishop Peter Jensen (Australia)
Esther Mombo (Kenya)
Victor Nakah (Zimbabwe)
Las Newman (Jamaica)
John Piper (USA)
Yusufu Turaki (Nigeria)
Chris Wright (UK) Chief Recorder
Carver Yu (Hong Kong)
Senior representatives from the World Evangelical Alliance (WEA), and from the Congress Programme Committee, the Communications Working Group and the Strategy Working Group were in attendance.
Chris Wright was invited by this group to bring the statement to completion, working with a smaller team. To this team of Rose Dowsett, Ajith Fernando, Victor Nakah and Las Newman were added Valdir Steuernagel (Brazil), Rosalee Velloso Ewell (Brazil), Greg Parsons (USA) and Tormod Engelsviken (Norway).
© The Lausanne Movement 2010
[1] Gal. 5,6; Joh. 14,21; 1. Joh. 4,9. 19
[2] Matth. 22,37-40; Röm. 13,8-10; Gal. 5,22; 1. Petr. 1,22; 1. Joh. 3,14; 4,7-21; Joh. 13,34-35; Joh. 1,18 + 1. Joh. 4,12; 1. Thess. 1,3; 1. Kor. 13,8.13
[3] 5. Mo. 7,7-9; Hos. 2,19-20; 11,1; Ps. 103; 145,9.13.17; Gal. 2,20; 5. Mo. 10,12-19
[4] 5. Mo. 6:4.5; Matth. 22,37; 3.Mo.19, 18. 34; Matth. 5,43-45; Joh. 15,12; Eph. 4,32; Joh. 3,16.17
[5] Röm. 5,5; 2 Kor. 5,14; <Offb. 2,4
[6] 5. Mo. 4,35, 39; Ps. 33,6-9; Jer. 10,10-12; 5. Mo. 10,14; Jes. 40,22-24; Ps. 33,10.11, 13-15; Ps. 96,10-13; Ps. 36,6; Jes. 45,22
[7] 5. Mo. 4 und 6
[8] John Stott, The Message of Romans , The Bible Speaks Today (Die Botschaft des Römerbriefs, Die Bibel spricht heute) (Leicester and Downers Grove: Intervarsity Press), 53.
[9] Ps. 138,2
[10] Joh. 14,6; Röm. 8,14.15; Matth. 6,9; Joh. 14,21-23.
[11] 5. Mo. 32,6. 18; 1,31; 8,5; Jes. 1,2; Mal. 1,6; Jer. 3,4. 19; 31,9; Hos. 11,2; Ps. 103,13; Jes. 63,16; 64,8.9.
[12] Joh. 3,16; 1 Joh. 3,1; Röm. 8,32; Hebr. 9,14; Gal. 2,20; Gal. 1,4.5.
[13] Matth. 5,9. 16. 43-48; 6,4. 6.14-15. 18. 25-32; 7,21-23.
[14] Joh. 1,3; 1. Kor. 8,4-6; Hebr. 1,2; Kol. 1,15-17; Ps. 110,1; Mk. 14,61-64; Eph. 1,20-23; Offb. 1,5; 3,14; 5,9.10; Röm. 2,16; 2. Thess. 1,5-10; 2. Kor. 5,10; Röm. 14,9-12; Matth. 1,21; Lk. 2,30; Apg. 4,12; 15,11; Röm. 10,9; Tit. 2,13; Hebr. 2,10; 5,9; 7,25; Offb. 7,10
[15] Luk. 6,46; 1. Joh. 2,3-6; Matth. 7,21-23
[16] Matth. 16,16; Joh. 20,28; 1. Petr. 1,8; 1. Joh. 3,1-3; Apg. 4,12
[17] 1. Mo. 1,1-2; Ps. 104,27-30; Hi 33,4; 2. Mo. 35,30-36,1; Ri. 3,10; 6,34; 13,25; 4. Mo. 11.16-17. 29; Jes. 63,11-14; 2. Petr. 1,20.21; Mi. 3,8; Neh. 9,20. 30; Sach. 7,7-12; Jes. 11,1-5; 42,1-7; 61,1-3; 32,15-18; Hes. 36,25-27; 37,1-14; Joe. 2,28-32
[18] Apg. 2; Gal. 5,22.23; 1. Petr. 1,2; Eph. 4,3-6; 1. Kor. 12,4-11; Joh. 20,21.22; 14,16.17. 25.26; 16,12-15; Röm. 8,26.27; Eph. 6,10-18; Matth. 10,17-20; Lk. 21,15.
[19] Ps. 11,: 97.127; 2. Tim. 3:16.17; 2. Petr. 1,21
[20] 5. Mo. 30,14; Matth. 7,21-27; Lk. 6,46; Jak. 1,22-24
[21] Manifest von Manila Punkt 7; Tit. 2,9.10
[22] Ps. 145,9. 13. 17; Ps. 104,27-30; Ps. 50,6; Mk. 16,15; Kol. 1,23; Matth. 28,17-20; Hab. 2,14.
[23] Ps. 24,1; 5. Mo. 10,14;
[24] Kol. 1,15-20; Hebr. 1,2.3
[25] Apg. 17,26; 5. Mo. 32,8; 1. Mo. 10,31.32; 12,3; Offb. 7,9.10; Offb. 21,24-27
[26] Apg 10,35; 14,17; 17,27
[27] Ps. 145,9. 13. 17; 147,7-9; 5. Mo. 10,17.18
[28] 1. Mo. 18,19; 2. Mo. 23,6-9; 5. Mo. 16,18-20; Hi. 29,7-17; Ps. 72,4; 12-14; 82; Spr. 31,4-9; Jer. 22,1-3; Dan. 4,27
[29] 2. Mo. 22,21-27; 3. Mo. 19,33.34; 5. Mo. 10,18.19; 15,7-11; Jes. 1,16.17; 58,6-9; Am. 5,11-15; 21-24; Ps. 112; Hi. 31,13-23; Spr. 14,31; 19,17; 29,7; Matth. 25,31-46; Lk. 14,12-14; Gal. 2,10; 2. Kor. 8-9; Röm. 15,25-27; 1. Tim. 6,17-19; Jak. 1,27; 2,14-17; 1. Joh. 3,16-18.
[30] Lausanner Verpflichtung Punkt 5.
[31] 3. Mo.19,34; Matth. 5,43-44
[32] Matth. 5,38.39; Lk. 6,27-29; 23,34; Röm. 12,17-21; 1. Petr. 3,18-23; 4,12-16.
[33] Röm. 13,4
[34] 1. Joh. 2,15-17
[35] 1. Mo. 3; 2. Thess. 1,9
[36] Mk. 1,1; 14.15; Röm. 1,1-4; Röm. 4, 1. Kor. 15,3-5; 1. Petr. 2,24; Kol. 2,15; Hebr. 2,14.15; Eph. 2,14-18; Kol. 1,20; 2. Kor. 5,19
[37] Röm. 4; Phil. 3,1-11; Röm. 5,1.2; 8,1-4; Eph. 1,7; Kol. 1,13.14; 1. Petr. 1,3; Gal. 3,26-4,7; Eph. 2,19-22; Joh. 20,30.31; 1. Joh. 5,12.13; Röm. 8,31-39
[38] Röm. 1,16
[39] Gal. 5,6;
[40] Eph. 2,10
[41] Jak. 2,17
[42] Tit. 2,11-14
[43] Röm. 15,18.19; 16,19; 2. Kor. 9,13;
[44] Röm. 1,5; 16,26
[45] 1. Mo. 15,6; Gal. 6,6-9; Hebr. 11,8; 1. Mo. 22,15-18; Jak. 2,20-24
[46] Röm. 8,4
[47] Joh. 14,21
[48] 1. Joh. 2,3.
[49] 2. Thess. 2,13.14; 1.Joh. 4,11; Eph. 5,2; 1. Thess. 1,3; 4,9.10; Joh. 13,35
[50] Joh. 13,34.35; 17,21
[51] 2. Kor. 8,13-15
[52] Hebr. 13,1-3; 1. Kor 12,26; Offb 1,9
[53] Offb. 3,17-20.
[54] Eph. 1,9.10; Kol. 1,20; 1. Mo. 1-12; Offb. 21.22.
[55] Joh. 15,13; 1. Joh. 3,16.
[56] Joh. 12,24.25
[57] 2. Kor. 12,9-.0; 4,7-10
[58] Manifest von Manila, §12.
[59] Lausanner Verpflichtung, Punkte 4 und 5.
[60] Micha-Netzwerk “Erklärung zur integralen Mission”
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Stichwörter: Kapstadt-Verpflichtung
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Vereinigte Staaten von Amerika
Note that the end of the Cape Town Commitment promises that at the end of November Part 2 will be available. I searched and could not locate it at the Lausanne dot org site or the WEA site. And today is December 6.
I look forward to reading Part 2 soon.
06.12.2010
Grossbritannien
@ FellowPilgrim:
FellowPilgrim - good suggestion re an oral version. Lausanne relies on volunteers to follow up these sorts of suggestions - do you know who could provide such a version, in any of the languages?
And part 2 is being worked on: for the globally drawn team of theologians to draw together an accurate reflection of the many tracks during the Congress, in a clear readable part 2, has taken a bit longer than anticipated. We all await it eagerly, anticipating using it in our churches and ministries! It’ll be splashed up on the website when it’s complete and online, so keep checking there. Thanks!
05.01.2011
Vereinigte Staaten von Amerika
I suggest that an oral version of Part 1 and Part 2 of the Cape Town Commitment be made available soon in various languages.
06.12.2010
Brasilien
Cape Town 2010 foi um congresso que marcou muitas vidas e, certamente marcará a igreja em todo o mundo. Aqui no Brasil temos realizado encontros em várias cidades dando o relatório do que representou o congresso para cada um de nós, ali presentes, e de como esse conteúdo pode se alastrar por toda a igreja brasileira.
Gostaria de saber da organização se é possível disponibilizar esta declaração em PDF também para as demais línguas. Não temos conseguido abrir o arquivo PDF em português. Facilitaria a nossa divulgação.
Em Cristo.
17.11.2010
Argentinien
Damos gracias a Dios por este documento y compromiso. Nos proyectamos con esperanza con la Gracia de Dios de poder ser fieles para su Gloria y Honra.
27.10.2010
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